28 Februar 2007

The Mumbai Horror Picture Show

Viel ist nicht passiert, innerhalb der letzten Stunde, seitdem ich meinen letzten Eintrag gepostet habe, aber es gibt noch ein paar mehr Bilder... nicht alle erfreulich...


Als Ramona und ich vor einem Monat in Pondicherry mit den Rikschafahrern um Preise feilschten, gab dieser hier uns einen besonders guten Preis. Was wir nicht wussten, war, dass sein Rikscha nicht motorisiert war. Der gute, alte Mann hat uns ganz schön leid getan. Wie der in die Pedale gestiegen ist! Dass er am Ende noch so lächeln konnte, ohne mit einem Herzinfarkt umzufallen, war erstaunlich.


Was von weitem aussieht wie ein Hügel am Rande der Stadt ist in Wahrheit nichts anderes als ein etwa 15 Meter hoher Müllhaufen... Wer ganz besonders scharfe Augen hat, kann rechts unten von der groben, braunen Farbfläche zwei Personen erkennen, die an diesem malerischen Ort spazieren gehen...


Mumbais größte Moschee bei Ebbe. Sie ist über einen langen Gehweg mit dem Festland verbunden, den täglich Tausende von Gläubigen und Touristen entlangpilgern. Bei Flut, liegt die Moschee wie eine Insel im Meer.


Mumbais "Viktoria Terminus" Bahnhof hat mittlerweile einen unaussprechlich-ellenlangen Namen, um dem guten alten Mumbai (bitte nicht Bombay sagen) seine ursprünglichen Ortsbezeichnungen wieder zu geben.


Wir Praktis im Water Kingdom... Leider gibt es keine Bilder von den coolen Wasserrutschen, da wir unsere Kameras nicht frei rumliegen lassen wollten...


Meine Nachbarn gegenüber... die Sicht aus meiner Küche (nach rechts gedreht).


... und nach links gedreht...


Es tut mir leid für all die sensiblen Menschen unter Euch, aber einen solchen Anblick muss man hier durchstehen können: der kleine, tote Welpe mit dem Müll in die Abflussrinne gekehrt... ein Schlemmermahl für die Ratten...

Ich verspreche: nächstes mal gibt es wieder etwas Schöneres.

27 Februar 2007

Eine Brücke ins heute...

On the road again...


Ooooooooh mein Gott!!! Da ist er wieder, der meist gefuerchtete Ellenlange-Nachrichten-Blogger Robert, in voller Frische und bereit Euch mit neuen Stories zu versorgen... Aber was war denn nur los, zum Teufel?! Nun ja, alle zwei Internetcafes in der Umgegend haben geschlossen und so war ich nun wochenlang ohne Zugang zu meinem Blog oder Skype. Dramatisch, muss ich Euch sagen, vor allem, weil mein Bericht jetzt leider ein wenig ausschweifend wird wegen des erhoehten Nachholbedarfs. Aber ich hoffe, das schreckt Euch nicht und Ihr seid voller Neugier bereit, abenteuerliche Berichte aus dem Land der Tausend Schocks voller Spannung zu lesen und meine Erfahrungen zu teilen...

Ein neuer Rekord: 4,5 Monate bin ich nun schon hier und kann es kaum glauben. Deutschland liegt schon unglaublich weit zurueck und selbst meine ersten zwei Monate im Hotel erscheinen mir schon lange vergangen. Das alltaegliche Bombardement durch fremdartige Eindruecke macht jeden Tag so neu, dass der letzte schon wieder wie ein weiterer Tag erscheint, an dem ich noch gar keine Ahnung davon hatte, was mich hier alles erwartet. Und wenn mir gerade scheint, der Alltag kehre ein, ist Alles schon wieder neu... Je mehr ich meine an das Leben hier gewoehnt zu sein, desto mehr ueberrascht mich jede Neuigkeit und mit sinkender Zahl von Neuigkeiten und steigender Ueberraschungstendenz haelt sich der Aufregungsgrad die Waage. So wird es nie wirklich langweilig.

Was mich jetzt gerade zum Beispiel schwer beeindruckt ist, dass ich ploetzlich wieder surfen kann, inmitten dieser so oft mit klaeglicher Infrastruktur gestraften Umgebung. Nur mal als Beispiel: eine DSL Verbindung hierzulande hat eine Bandbreite von 256 KB, wohingegen in Deutschland jetzt schon 2048 Standard ist, und das beides zum gleichen Preis. Auch gibt es hier quasi keinen Online-Handel oder Web-Communities, wie wir sie von zuhause gewohnt sind. Will man etwas Seltenes kaufen, bekommt man es weder im (indischen) Internet, noch mal eben so um die Ecke, nein, man muss suchen, suchen, suchen und geduldig sein. Und letztlich findet man, was man sucht nur mit Glueck und sonst nichts. Da wollte ich mir kuerzlich ein Buch kaufen und als ich feststellte, dass es nicht vorhanden war, wollte ich es natuerlich bestellen, wie ich es so aus Deutschland gewohnt bin. Aber nichts da! Hier kann man keine Buecher bestellen, die nicht im Standardsortiment des Geschaefts befindlich sind. Anstattdessen muss man herausfinden, welches Geschaeft in dieser Megastadt wohl genau diesen Schmoeker fuehren koennte. Letztendlich habe ich es uebrigens aufgegeben.

Andererseits muss ich diesem Land in Sachen Buecher und Bildung auch wieder eine Sache wirklich mit Bewunderung zugestehen: Lehrbuecher gibt es hier in speziellen Billigdrucken nur fuer den indischen Markt, so dass sich auch ein armer Student so manch ein internationales Standardwerk zulegen kann. Viele Buecher bekommt man hier zum Zehntel des Preises zuhause druckfrisch! Fuer mich lohnt es sich allerdings nicht, mir eine kleine Bibliothek hier vor Ort anzulegen, denn einerseits habe ich nicht wirklich viel Zeit viel zu lesen und andererseits ist der Transport nach Deutschland extrem teuer wegen des hohen Gewichts der Buecher. So haelt sich der Weltmarkt letztendlich die Waage.

An dieser Stelle muss ich die Reflektionen ueber das Leben in Indien unterbrechen fuer einen kleinen Reisebericht, denn, wie man ja schon aus meinen letzten Berichten leicht herauslesen konnte, bin ich ja recht haeufig am Reisen und so soll es ja, wenn moeglich, auch bleiben. Inzwischen habe ich wieder zwei kleine Ausfluege hinter mir und so moechte ich nun mit dem ersten beginnen...

Die Hoehlen von Ellora und Ajanta:

Mal wieder Weltkulturerbe. Zwei einzigartige Höhlenansammlungen in weniger als 100 Kilometer Entfernung, aber mit völlig unterschiedlicher Geschichte. Die eine, Ajanta, wurde erst 1800 wieder entdeckt, von einem Briten, der auf der Tigerjagd inmitten des Dschungelgestrüpps eine Höhle erspäte und dann feststellte, dass es gleich 20 an der Zahl waren. Als richtiger Kulturbanause hat er natürlich gleich seine Unterschrift in die jahrhundertealten Wandmalereien geschnitzt, was ihm dann prompt tausende Inder nachgemacht haben. Immerhin hat er die Höhlen nicht gesprengt, wie es die Taliban wohl gemacht haben. Dennoch hat sein Vorbild dazu geführt, dass nicht mehr viel der wunderbaren Kunst zu bestaunen ist. Dafür ist die Umgebung umwerfend. Dschungel gibt es nicht mehr, aber die Höhlen liegen in die Steilwand eines Canyons geschlagen und die Aussicht vom oberen Rand des Canyons war einfach toll.

Eine der wohl bekanntesten der Wandmalereien, die man in Ajanta sehen kann, ein Bildnis Buddhas.


Der wunderbare Ausblick von der oberen Kante des Canyons von Ajanta. Wie man sieht ist der einstiege Dschungel einer steppenartigen Gegend gewichen (ob auch daran der Klimawandel schuld ist?).


Das Ende des Canyons. Den Fluss, der im oberen Rande des Bilds seinen Weg nach unten hin durch den Felsen schneidet, haben wir zu Fuss überquert. Ich liebe solche Landschaften.

Die anderen Höhlen, die Höhlen von Ellora, liegen in keiner sehr beeindruckenden Landschaft, sind dafür aber architektonisch weitaus spannender und voller kunstfertiger Meisselarbeiten. Der Haupttempel wurde sogar von oben heraus aus dem Felsen geschlagen, so dass er nun frei steht, aus einem durchgängigen, riesigen Fels geformt. Das Tolle ist, dass beide Höhlenansammlungen auf ihre ganz eigene Art beeindruckend sind. So hatte ich einen schönen Wochenendsausflug: die Freitag nacht im Zug, dann Ellora, eine Nacht in einer Absteige in Aurangabad, den nächsten Tag in Ajanta und dann über Nacht zurück nach Mumbai, so dass ich gerade noch Zeit für eine Dusche und frische Klamotten habe, um dann gleich wieder ins Büro zu flitzen. Ja, so kann ein Wochenende sein! Erfrischend ermüdend.


Der aus einem Stück Fels geschlagene Haupttempel von Ellora.

Ein Buddha-Schrein in einer der Höhlen von Ellora.


Ein Bildnis Durgas, einer der kriegerischen Gottesinkarnationen, die auf die Erde kam, böse Dämonen zu töten.


Zu den guten alten Zeiten als der Tempel gebaut wurde war auch Erotik noch en vogue und noch heute erfreuen sich alle daran, natürlich weil es Kulturerbe ist... ansonsten spricht aber über "so etwas" bitte nicht!


Die komplizierteren Stellungen waren im Dunkeln versteckt, natürlich um den Stein nicht durch künstliches Licht zu beschädigen. Dennoch gab es ein paar rebellische Touristenführer, die für ein paar Extrarupies dann doch ihre Lampen anmachten (und mit geradezu kindischer Freude auf die tantrischen Verrenkungen hinwiesen, ich zitiere: "man and woman, very happy!").

Chennai:

Ja, da ich ja lange nicht geschrieben habe, war ich in der Zwischenzeit sogar zweimal unterwegs. Der zweite Ausflug kam überraschend. Ramona, unsere Praktikantenmanagerin hier in Mumbai, erzählte mir, dass eine Kollegin sie zu ihrer Hochzeit eingeladen habe und sie nicht alleine reisen wolle. Die Chance ergriff ich natürlich, um meine Reiseerfahrungen noch weiter zu optimieren. Die Hinreise war eine 24-Stunden-Zugfahrt, auf der ich mir leider eine Magenverstimmung einhandelte, die mich dann auch die ganzen nächsten Tage begleitete und meine Laune ein wenig dämpfte. Immerhin konnte ich noch reisen und so sah ich an einem langen Wochenende Pondicherry, eine niedliche ehemalig französische Siedlung südlich von Chennai, Mamallapurram, einem Ort, an dem noch im 20. Jahrhunderten ein paar wunderbar erhaltene Höhlen entdeckt wurden, und schliesslich am Montag meine erste indische Hochzeit, die aber leider auch gleichzeitig der enttäuschenste Teil der Reise war. Da der Bräutigam Christ und die Braut Hindu war, wurden den Familien zuliebe allerlei schöne Zeremoniebestandteile ausgelassen und was übrig blieb war eine 5-stündige Fotosession, bei der jeder unter den Hunderten von Gästen einmal mit dem Paar posieren durfte, während alle anderen vor der dafür verzierten Bühne warteten. Die arme Braut war am Ende sichtlich glücklich ihre Mundwinkel vom Dauerlächeln entspannen und Ihren 10 Kg schweren Schmuckverzierten, übrigens atemberaubend schönen Sari ablegen durfte (letzterens natürlich nicht vor Publikum). Übrigens: kaum war ich zurück in Mumbai ging es mir wieder besser, als ob mein Körper mir sagen wollte: bitte bleib in Mumbai, an diesen Ort bist Du immerhin schon gewöhnt.


Posieren fürs Fotoalbum.


Ramona und Ashwini, die Braut. Übrigens war das der Vormittagssari und nicht der erwähnte 10-Kilo-Sari.

Seit Chennai war ich nun nicht mehr unterwegs, leider, aber ich muss mir jetzt auch ein paar Urlaubstage ansparen, damit ich im Mai Zeit habe, mit meiner Freundin Nina herumzureisen. Zum Glück hat Mumbai ja genug zu bieten und ich habe noch lange nicht alle Clubs und alle Restaurants und Bars erkundet.

Jetzt gibt es noch ein paar Bilder als Verpflegung bis zum nächsten Eintrag...


Zwischen Ellora und Ajanta lag dieser seltene Shiva-Tempel.


Diese Dame traf ich hinter selbigem Shiva-Tempel. Irgendwie erinnerte sie mich an die böse Hexe aus "Robin Hood - König der Diebe", nur dass diese Frau sehr liebenswürdig war (und natürlich auch noch ihre Enkel mit auf dem Bild haben wollte...).


So sehe ich mittlerweile aus: nach dem anfänglichen Kulturschock sind mir alle Haare ausgefallen und vom zu extremen die Stirn in Sorgenfalten legen habe ich dann auch noch blutige Reibespuren bekommen. Jetzt aber im Ernst: kurzes Haar entspricht meinem erhöhten Reinheitsbedürfnis in diesem Land und die rote Farbe auf der Stirn war mal der typisch indische Stirnfleck. Dieser Punkt drückt aus, dass ich vor kurzem gebetet habe. Und dem war auch so: kurz zuvor war ich in dem oben bereits erwähnten, übrigens sehr frauenfreundlichen, Tempel, in dem alle Männer ihren Oberkörper entblössen mussten. Der Punkt symbolisiert den Frauen also: "Den da hättest Du vorhin sehen können. Zu spät!"


Ach ja, gutes altes Mumbai. Wer sich fragt wo die schönen Fischreiher im Winter ihre Zeit verbringen... hier an Mumbais silbrig-grauen Abwässern, durch die man nicht einen Centimeter weit hindurchsehen kann... übrigens: ein spannender Geruch von alten Eiern und hmmm... ich lass es lieber...


Und zum Abschluss die Quizfrage: was war die größte Touristenattraktion von Ellora und Ajanta? Richtig. Wir! Die Ausländer! Nach den ersten 10 Gruppenfotos für die wir posieren sollten, hatten wir keine Lust mehr und haben versucht uns vor den indischen Grossfamilien zu verstecken.

P.S.: Ich habe wieder ein paar neue Blogs und lustige Internetseiten verlinkt... einfach mal reinschauen...