28 Dezember 2006

Heimliche Herrscher und Neujahrsmassaker!

Martialischer Titel, ich weiss, aber nachdem ich in meinen letzten Blogeintraegen ja mehr ueber mich berichtet habe als ueber den Indischen Alltag, will ich heute mal wieder ein paar kleine Anekdoten aus dem verrueckten Grossstadtleben des Uebermolochs Mumbai fuer Euch schreiben und damit Ihr es durchhaltet beginnt das Ganze eben mit diesem hoffentlich Neugier weckenden Titel...

"Die Deutschen muessen wieder das Toeten lernen!" So oder so aehnlich lautete ein Zitat von ein paar Nordamerikanischen Diplomaten, das ich vor ein paar Wochen im Internet aufgriff. Die Hintergrundgeschichte war, dass ein Haufen kanadischer Soldaten in Afgahnistan ins Kreuzfeuer von irgendwelchen verrueckten Rebellen geriet und, weil die Deutschen keine Erlaubnis fuer Einsaetze in dieser Gegend hatten und deswegen nicht eingriffen, verloren mehrere Kanadier ihr Leben. Ehrlich gesagt: Diskussion hin und her, ich bin stolz, dass "wir Deutschen" scheinbar "das Toeten verlernt haben" und so habe ich dieses Zitat mit einer gewissen Freude aufgenommen, als Bestaetigung, dass wir aus der Geschichte was gelernt haben, auch wenn das nicht bedeutet, dass es mir fuer die kanadischen Soldaten nicht leid tut.

Was aber hat das Ganze mit Indien zu tun? Nun ja, nicht viel. Vielleicht stellten sich ein paar Leute die Frage: wo waren eigentlich die Deutschen, als es rund ging? Und wenn ich nun bald ueber Neujahr in Goa bin, dann wird sich vielleicht manch ein Tierschuetzer fragen: wo war eigentlich Robert zum Neuhjahrsmassaker? Haette er nicht eingreifen koennen? Aber ich sollte vielleicht einen Gang zurueckschalten und Euch aufklaeren, worum es hier eigentlich geht...

Alles fing am 24. Dezember an, als ich mein Haus verliess und durch die slumartigen Strassen, die es umgeben, spazierte. Da kam mir ein Haufen Kinder mit zwei Riesenziegen entgegen. Ja, Riesenziegen! Keine Ahnung, wo die diese Mutanten her hatten, aber so grosse Ziegen habe ich noch nie gesehen! Leider hatte ich keine Kamera dabei, um diese Wesen aufzunehmen, aber ich sage Euch: mit ihren bunt gefaerbten Maehnen und glaenzendem kronenartigem Hoernerschmuck sahen sie aus wie echte Koenige ihrer Art. Nun, man muss nicht lange raten, was diese Ziegen zu einem Feiertag wie dem 24. erwartete... richtig, der suesse Tod.

Etwas komisch, dass hier ueberhaupt Weihnachten gefeiert wird, wo es hier doch vor allem Hindus gibt. Aber wartet mal: seit wann essen denn Hindus Fleisch bzw. Ziegen? Das klingt nicht nur komisch, sondern ist in den meisten Faellen auch falsch. Moeglich ist die Geschichte mit den Ziegen aber, weil die Gegend, in der ich wohne, eine Moslemgegend ist. Hier wimmelt es nur so von Frauen in Burka oder Schador und Maennern mit dieser typisch muslimischen Kopfbedeckung (eine weisse handgewebte Stoffkappe) und in genauer Sichtlinie unseres Hauses steht auch die groesste Moschee der Umgegend. Fuer mich hat das nur einen, anfangs leidlichen, Nebeneffekt: natuerlich teilt man seine Froemmigkeit mit der ganzen Umgegend, indem zu den Gebetszeiten die Lautstaerke aufgedreht und laut zu Allah gefleht wird, was irgendwie immer wieder wie ein unglueckliches Wehklagen klingt und vor allem um 6 Uhr morgens ein wenig gewohenungsbefuertig ist. Mittlerweile aber wache ich davon schon nicht mehr auf, muss nur immer ein bisschen Schmunzeln, wenn dieses unpassende Trauerklagen die Strassen erfuellt.

Aber zurueck zu den Ziegen... Warum denn ueberhaupt zu Weihnachten? Nun, das habe ich auch noch nicht herausgefunden, Fakt ist aber: es ist ein Feiertag und das freut bekanntlich jeden, egal welcher Religion sie/er auch angehoert. Jetzt kommt es aber Dicke fuer die armen Ziegen: Neujahr ist natuerlich ein besonders grosses Fest und so stellte ich den letzten Tage eine verstaerke Ziegenzuwanderung in meiner Umgebung fest. Nahezu an jeder steht nun eine bunt geschmueckte Ziege und weiss nicht, was sie erwartet. In unserem Haus wurde der Fitnessraum im Erdgeschoss nun in einen Ziegenstall umfunktioniert, damit die aussergewoehnlichen Einwanderer dort noch ein paar komfortable Tage geniessen koennen. Und am 1. Januar, wenn dann die Strassen in Blut getraenkt wurden, stellt sich der Tierschuetzer vielleicht die Frage: wo war Robert, als die Ziegen massakriert wurden?

Nun ja, ich werde heute abend mit einer lustigen Gruppe Praktikanten in einen Bus steigen, um 14 Stunden und ueber Nacht nach Goa zu fahren. Und bevor ich mich auf den Weg mache, wollte ich noch mal von mir hoeren lassen. Und uebrigens: Goa ist christlich gepraegt, weil es eine portugisiesche Provinz war. Ich werde dort also vom Ziegenmord verschont bleiben...

Eine andere interessante animalische Spezies, die hier die Strassen bevoelkert ist der Grossstadthund, eine nicht deutlich einer Rasse zuzuordnende Mischung, sozusagen der typische Strassenkoeter ohne Herrchen. Ein vorteilhaftes Geschoepf, weil es die Ratten dezimiert, nachteilhaft aber bei Nacht. Im gemeinen Indischen Strassenkoeter schlummert naemlich, tagsueber verborgen, ein Tyrann! Waehrend man ihn tagsueber ueblicherweise schlafend am Strassenrand auffindet und sich fragt, ob diese Tiere ueberhaupt leben und nicht nur tot herumliegen und es einfach keine kuemmert, beherrscht er des Nachts die Strassen. Der schlaue Rikshafahrer weiss, dass wenn Nachts eine Meute Hunde auf der Strasse steht, er in so mancher Situation besser einen Kreis um sie macht, als sie wegzuhupen zu versuchen. Und so ist die Nacht von Hundejaulen und -fiepen erfuellt und den Geraeuschen zufolge sterben eine Menge Hunde in dieser Zeit durch Kaempfe mit rivalisierenden Banden. Morgen humpelt so manch ein Tier mit unschoenen Wunden am Strassenrand entlang, bevor es sich dann wieder schlafen legt, um sich fuer die naechste Nacht zu erholen.

Jetzt aber noch ein kleiner Nachweihnachtsbericht, kurz gefasst, fuer den ungeduldigen Leser. Mein Weihnachten war ungewohnt: sommerliche Temperaturen, keine Familie und nichts zu sehen auf den Strassen, was auf ein Fest hinweisen koennte (ausser den paar geschmueckten Ziegen), kurz gesagt: keine Weihnachtsstimmung. Advent und Nikolaus sind hier uebrigens voellig unbekannt. Ich war auf einem netten gemeinsamen Weihnachtsdinner mit anderen Praktikanten und danach gabs in meiner Wohnung eine fette Party. So richtig typisch heimelig und entspannend war es also nicht, aber trotzdem feierlich und eine nette Abwechslung zum sonstigen Alltag.




Unsere Weihnachtsdinner-Gesellschaft



Unser Weihachtsmann und Geschenkeverteiler Sunil




Party in meiner Bude



Prashant und Adi, zwei coole Mumbai-AIESECer

Am 25. habe ich einen kleinen Ausflug zur World Press Photo Ausstellung gemacht (siehe: neuer Link auf der rechten Seite) und wurde zu meiner Ueberraschung von mindestens 10 anderen Praktis begleitet. Wie erwartet war die Ausstellung lohnenswert, obwohl tendenziell natuerlich eher runterzieherisch. Seht selbst unter dem erwaehnten Link.



Auf dem Weg zur Ausstellung... und das naechste auch noch mal...



So und jetzt wuensche ich Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, bevor ich nach hause abzische und meine sieben Sachen fuer Goa packe. Am 3. Januar bin ich wieder zurueck und irgendwann die Tage, werde ich dann mal wieder von mir hoeren lassen. Bis dahin geniesst den Dezember und die anschliessenden (wunderschoenen) Fotos der Strassen um meine Wohnkomplex herum... Cheeeeeeeeers!



19 Dezember 2006

Business Trip

Mit einem Schnupfen aber gluecklich bin ich wieder zurueck in Mumbai, meinem Lieblingsmoloch. Das letzte Wochenende hatte ich die Ehre zu einem Vortrag vor 23 langjaehrig erfahrenen Managern meines Unternehmens einen Vortrag ueber Deutschland zu halten und mit ihnen ein interkulturelles Training durchzufuehren. Da das Ganze nicht in Mumbai sondern in Hyderabad stattfand, bekam ich Flug und Unterkunft bezahlt und hatte so mal wieder die Gelegenheit einen weiteren, mir unbekannten Ort in diesem Riesenland zu besichtigen.



Erster Eindruck von Hyderabad: Wow! Indische Grossstadt, aber weniger los, sauberer, moderner und trockenere Luft, kurz gesagt: auf Anhieb sympathischer als Mumbai. Mir scheint immer mehr, ich bin gleich von Anfang an in das groesstmoegliche Extrem gestuerzt als ich hier in Mumbai ankam. Aber keine Sorge: bereuen tue ich mein Leben hier in Mumbai dennoch nicht.

Spannend in Hyderabad ist: zwei Dinge kennzeichnen die Stadt: Informatikfirmen und Moslems, beides sieht man hier wie Sand am Meer. Die starke Praesenz von Moslems ist historisch auf mehrere arabische Koenigsdynastien zurueckzufuehren, die sich diese Gegend einstmals erkaempft hatten und lange dort lebten. Als die Briten Indien verliessen und Hindustan sich in Pakistan, Ost-Pakistan (heute Bangladesch) und Indien aufteilte, wusste keiner, was mit Hyderabad passieren sollte, weil die Trennung eine religioese und Hyderabad eine Islaminsel inmitten einer hinduistisch gepraegten Gegend war. Dass es nun zu Indien gehoert war wohl eher eine pragmatische Loesung, aber offensichtlich kein Problem, denn groessere Unruhen hat es in Hyderabad meines Wissens nicht gegeben.

Die Stadt besteht aus modernen Gegenden voller Kaufhaeuser und Villen und den alten Stadtteilen, die von der ganzen Architektur her eher wie eine Stadt im mittleren Osten aussieht (oder so wie ich mir eine solche vorstelle). Auf jeden Fall interessant. Uebrigens war ich nicht allein, sondern, wie schon bei meinem Rajahstan-Ausflug, in Begleitung von Ramona und Gabi, die ebenfalls Vortraege hielten (und mir ganz nebenbei zu dieser Gelegenheit Zugang verschafft haben). Abends wurden wir unerwartet zu einer Weihnachtsparty einer anderen IT-Firma eingeladen, wo auslaendische Praktikanten dieser Firma mit viel Alkohol und lauter Musik auf einer stylischen Dachterasse das Leben begossen. Ich war lang nicht mehr auf einer so coolen Party. Wow! Dank eines tollen Bettes im Hotel und genug Zeit zum Ausschlafen fiel mein Kater etwas geringer aus...






Mein Wochenende war also richtig nett. Jetzt arbeite ich noch 2 Wochen und dann geht es uebers Neujahr ab nach Goa. Spaetestens im Neujahr gibt es dann also wieder neue Berichte un Bilder. Fuer die Zwischenzeit gibt es jetzt noch ein paar wunderschoene Fotos von den Slums um mein Haus herum und Blicken weiter auf die Stadt heraus, geschossen vom Dach des Gebaeudes (auf dem wir bald mal eine kleine Grillparty steigen lassen muessen). An meine Bude habe ich mich uebrigens schon richtig gut gewoehnt und auch wenn der Wohnkomplex von Dreck umgeben ist, laesst es sich hier doch ganz vernuenftig und vor allem relativ gut angebunden leben. Seht Euch um...






Ich wuensche Euch allen glueckliche Adventstage, coole Geschenke, Glueck und alles, was man sich sonst noch so wuenschen kann (eine ganze Menge). Feiert schoen...

Euer Robert

14 Dezember 2006

Pics, Pics, Pics...

Jaaaaaaa! Es fuehlt sich gut an, endlich mal wieder auf einem schnellen Datenstrom zu surfen! Dieses Internetcafe hier, nahe meiner neuen Bleibe, hat endlich mal eine tuechtige Verbindung und die will ich nun nutzen, um Euch mit all den Bilder visuell vollzuspammen, die sich bei mir in den letzten Wochen angesammelt haben... in dieser langen Durststrecke mit Unter-2kB-Connections... Also macht Euch bereit fuer visuelle Ueberstimulation oder auch einfach mal nur Gucken anstatt immer nur meine ellenlangen Tiraden zu lesen (apropos: danke fuer die Geduld, aber kein Danke an die die zu faul sind ;D). Let's go...



Abendessen im Hotelzimmer... von links nach rechts: Simon, Nitesh, Mai und ich



Anschliessendes Feiern...



und Posen...



Und noch mal Posen... Ana, Mai, Warum vergesse ich diesen Namen bloss immer?, Magda, Simon, Nitesh



Nein, das hier ist kein schwules Paaerchen! In Indien halten sich Maenner, die gute Freunde sind, gerne mal an der Hand oder auch naeher... ein Kollege sagte mir letztens das liege daran, dass sie bis zur Heirat so wenig koerperliche Naehe zu Frauen haetten, da befriedige man sein Beduerfnis nach koerperlicher Naehe eben auf diesem Wege, allerdings voellig asexuell. Ob das stimme? Keine Ahnung... irgendwie sieht es immer wie suess aus.



Henna-Handbemalung a la Indien... Sieht besser als die in Deutschland, oder? Ist ja auch das Original!



Meine beiden Lieblings-Hotelangestellten... fragt mich nicht nach dem Namen... ich kann mir schon immer mehr merken, aber am Anfang klingen alle Namen viel zu fremdartig um sie sich zu merken ;D



Ich hab's wohl schon erwaehnt, aber ich muss es wohl noch mal wiederholen: die Kuh ist hier der hoechstpriorisierte Verkehrsteilnehmer. Normalerweise hat der staerkere das Sagen, aber einer Kuh macht sogar der Nahverkehrsbus Platz, auch auf dem Highway... that's really laid back



Mumbai Downtown... die Meerespromenade (Marine Drive)



Ach ja, letztens war ich mal wieder im 5-Sterne-Hotel in einem der angesagtesten Clubs der Stadt auf der Gaesteliste und umsonst feiern... Das hier ist die Lobby und der Herr neben Ana Maria und Mai ist Juan, ein Spanier, der hier sein Geld mit exotischer Gitarrenuntermalung der gepflegten Atmosphaere verdient (und nebenbei bemerkt jeden Tag umsonst das beste Buffet, das ich jemals erlebt habe, geniesst).



Zur linken: Mridul, mein Lieblings-Raum-Mitbewohner, ein richtiger Panjabi und Computerprogramme-in-Deutsch-Uebersetzer. Mit dem Kerl hier habe ich manchmal Stunden lang bis spaet in die Nacht ueber Musik, Filme, unsere verschiedenen Ansichten und Politik diskutiert. Schade, dass er jetzt im fernen Osten der Stadt wohnt und ich im Westen. Zur rechten: Manish, der Mann, gegen den ich im Tischtennis keine Chance habe, obwohl ich fast taeglich im Hotel trainiert habe!



Prachtvolles Gebaeude, oder? Es ist das Polizeihauptquartier Mumbais... da kann sich die deutsche Polizei aber mal ein Vorbild nehmen...



Nach dem Cricket-Match: Nitesh, mein Lieblingsinder ueberhaupt (mit dem Cricketschlager), und ein paar Hotelangestellte (uebrigens auch sehr cool)...



In vielen Gegenden reiht sich ein Geschaeft an das Naechste und viele verkaufen ihre Waren einfach von einem aufgebauten Stand mitten auf der Strasse, wie hier: farbenfroh wie immer... uebrigens: Maenner kleiden sich fuer unseren Geschmack relativ "normal", waehrend Frauen fast immer traditionell Kleidung tragen. Das ist meist ein Salwar, ein sehr langes, an der Seite geschlitztes Hemd, das mehr einem Kleid gleicht, darunter Pajama, leichte Stoffhosen und GANZ WICHTIG ein grosses Tuch, dass man sich um die Brust und ueber die Schultern legt. Fuer gewoehnlich ist die Kombination sehr bunt, waehrend Maenner eher bescheidenere Farben waehlen... die Frauenkleidung finde ich uebrigens richtig schoen hier... manchmal etwas grell, aber das Schoene ist, dass der Schnitt fast jede Frau elegant aussehen laesst, auch wenn sie keinen Modelkoerper hat. Apropos: Saris sieht man natuerlich auch oft, aber die sind bauchfrei, was wiederum in vielen Faellen eher sehr unelegant ausfaellt...



Und zum Abschluss zwei Impressionen von der Strasse...



Mehr gibt es hoffentlich bald... ich hoffe bald eine Internetverbindung zuhause zu haben und dann gibt es Bilder von der neuen Bude, von den Slums aussenrum und meinen neuen Mitbewohnern...

Ich gruesse Euch alle von ganzem Herzen. Erfriert mir nicht da drueben, im nun kalten Berlin. Ich denk an Euch!!!

Au revoir, mes ami(e)s.

03 Dezember 2006

Brand new Masala...

Nachdem ich nun erfolgreich meinen alten Kram hochgeladen habe (ohne Fotos zwar, aber immerhin), sollte ich nun auch ein bisschen Neuigkeiten erzaehlen, auch wenn es derer nicht besonders viele gibt.

Fangen wir locker an: Wohnung. Nachdem ich nun mittlerweile schon fast Monate in meinem Hotel verbracht habe, wird es nun langsam Zeit mir eine festere Bleibe zu suchen. Normalerweise sorgen sich die AIESECer hier darum, fuer alle Praktikanten etwas zu finden, aber als ich nun heute endlich die erste mir vorgeschlagene Wohnung ansehen durfte, war ich enttaeuscht. Es fing gut an: in der Naehe einer grossen Strasse mit vielen Geschaeften, eine gute Ausgangsposition. Dann aber: der Weg zum Wohnkomplex! Mit jedem Meter, den ich mich durch die kleine Seitenstrasse von der Grossen entfernte, bewegte ich mich tiefer in eine immer verslumtere Gegend. Das macht sich letzlich auch immer in den Blicken der Leute bemerkbar. Downtown komme ich mir unbeobachtet vor, aber in den einfachen Gegenden spuere ich immer wieder deutlich, was fuer eine Attraktion ich hier bin. Egal, kommen wir zum Haus. Denn hier wurde es wieder besser. Ein relativ neuer grosser Wohnkomplex abgeschirmt von Securityleuten, die das einfache Volk fernhalten. Man spuert schon immer wieder, dass das hier eine Zwei- oder Mehrklassen-Gesellschaft ist. Dann... ein schicker Aufzug, sieht gut aus. Dann aber die Wohnung, 6 Leute, 2 pro Schlafzimmer (derer es 2 gibt) und 2 im Wohnzimmer, oder genauer gesagt nur 1 im Wohnzimmer und dann das "Bett" das fuer mich da ist. Allerdings kann man besagtes Gestell nicht wirklich ein Bett nennen, eher eine hoelzerne Rueckenzerstoererpritsche. Nein danke! Ausserdem relativ unordentlich. Nein, irgendwie ist es das nicht. Fazit: Ich muss mir wohl selbst etwas suchen und zwar schnell! Mal sehen, was sich so findet. Ich werde berichten...

Kapitel 2: Dancing, dancing...
Endlich: Disko in Mumbai! Dank der richtigen Connection stehe ich auf der Gaesteliste. In einer guten Wohngegend versteckt auf der Rueckseite eines gehobenen Hotels befindet sich der Eingang zum Ort des Begehrens. Die Leute die anstehen, sehen wie typische Partygaenger aus: stylisch gekleidet, cool. Scheint schon mal keine Prolosache zu sein. Gut. Es ist 23 Uhr, die Disko ist leer. Ich bin ueberrascht, denn schliesslich machen die Schuppen hier schon um 3 dicht. Die Preise sind krank oder genausergesagt wie in Deutschland, was ich nicht ok finde, denn wer soll sich das leisten hier? Aber genau das ist es ja. Durch hohe Preise schliesst man die aus, die man hier nicht will. Den Preis zahlt man eigentlich nur dafuer "unter sich" zu sein. Die Gewinnmarge muss toll sein. Na ja, immerhin musste ich keine 15 Euro Eintritt zahlen und es sammeln sich immer mehr Praktis. Die Musik ist cool, endlich mal. Wenn man hier Radio hoert oder indisches MTV guckt, sieht man den gleichen Popmatsch, den wir in Deutschland haben, eben Musik fuer das einfache Gemuet. Hier ist es schon besser und die Mischung macht Spass: 50% indische Musik, 50% was wir so kennen, und: die indische Musik rockt. HipHop oder Electro mit landestypischen Einfluessen. Kann ich empfehlen. Nach dem ich seit Urzeiten das erste mal wieder tanzen war, fuehlte ich mich anfangs etwas steif, aber nach 3 Stunden war ich voll in meinem Element. Ihr kennt mich ja, wenn ich einmal angefangen habe, hoer ich nicht mehr auf. Hier waer ich gerne mit Andreas, meinem Lieblingspartyrocker (Hey Andson, haste dat jelesen?). Ach ja, und wer haette es gedacht, besonders "heiss" geht es nicht her, dafuer haben alle Spass und die komischen Auslaender, die so nahe aneinander tanzen sind sich natuerlich vieler Blicke gewiss. ;D Gerne wieder.

Kapitel 3: Nationalsport in der Praxis...
Es wurde auch endlich Zeit, dass ich Cricket nicht nur verstehe, sondern auch spiele. Also ging es letztes Wochenende auf zum naechsten Sportgeschaeft, um einen einfachen Cricketschlaeger und ein paar Baelle zu besorgen. Dieser Schlaeger ist schon cooler als eine Baseballkeule, mehr wie ein Brett zum Waescheschlagen und schoen schwer. Hat was Martialisches. Gespielt habe ich dann mit Nitesh und den ganzen Hotelangestellten auf dem Hotelparkplatz. Wie der Kenner vielleicht weiss, ist es beim Cricket das Ziel einen von drei kleinen Holzstaeben zu treffen, vor denen der Schlagmann mit seinem Schlaeger steht und versucht den Ball wegzuschlagen. Gelingt ihm das kann er auf einer etwa 20 Meter langen Bahn losrennen und fuer jeden Weg den er macht, bis der Ball wieder zurueckgebracht wird, gibt es einen Punkt. Wird aber einer der Staebe getroffen ist der Schlagmann raus und wird ersetzt, bis die Mannschaft keinen mehr hat. Dann sind die anderen dran und muessen mehr Punkte machen. Das ist jetzt stark vereinfacht, aber trifft es so in etwa. Nun aber zur Praxis: denn Ball zu treffen ist leichter als ich dachte und macht tierisch Spass. Den Ball aber in die richtige Richtung zu schlagen ist verdammt schwer. Werfen ist auch spassig, obwohl ich da ganz schoen versagt habe. Die Hoteljungs hatten viel Spass und haben mit aller Kraft geworfen und da wir einen Holzstuhl anstatt der drei Holzstaebe benutzten war dieser nach 2 Stunden Spiel in Stuecke geschossen, was der Hotelmanager, der dann ankam, nicht besonders lustig fand. Seitdem bin ich nicht mehr dazu gekommen, freue mich aber schon auf das naechste mal.

Kapitel 4: indische Gastfreundschaft.
Das Wochenende, das gerade zu Ende geht, war ein schoenes. Am Samstag abend war ich von meiner Chefin zu ihren Eltern eingeladen und habe das erste mal Nicht-Aueslaender zu hause besucht. Ihre Eltern waren echt nett und haben mich natuerlich mit allerlei Leckereien vollgestopft. Mir wurde erklaert ich duerfe auf keinen Fall "No" sagen, also habe ich spaeter "Rather not" gesagt, um mich vor dem Nachauserollen zu bewahren. Wir haben viel gelacht und mir wurde erneut der Hinduismus erklaert. So langsam blicke ich immer mehr durch, obwohl das nicht ganz einfach ist bei den vielen Goettern und Geschichten. Heute waren eine ganze Gruppe von Praktikanten und ich zu einem AIESECer hier nach hause eingeladen, um ein bisschen im Swimming Pool der Wohnanlage, in der er wohnt, zu paddeln. Das Wasser war eiskalt und wir wurden ausgelacht, weil sich die Inder nicht vorstellen konnten, dass wir Aueslaender in Indien irgendetwas kaelter als sie finden koennten, also habe ich die Theorie entworfen, dass wir in unserer Lebenszeit einfach nicht genug Waerme aufgenommen haben, um so viel Kaelte zu ertragen. Ueberzeugend war das nicht, aber immerhin unterhaltsam. Danach wurden wir von seinen Eltern mit Essen verwohent und ich musste erneut feststellen, dass hausgemachte Kost noch besser als die im Restaurant ist. Erneut wurde mir der Hinduismus erklaert und so langsam schaffe ich es immer mehr die Leute mit meinen gesammelten Kenntnissen zu beeindrucken. Wer liebt es nicht, wenn ein Aueslaender die eigene Kultur versteht und kennt? Ein relaxter Sonntag und jetzt sitze ich hier...

Letztes Kapitel: Unruhen!
Vor 4 Tagen ging es hier in Mumbai in einigen Orten ganz schoen rund. Vor einem Monat wurden in einem kleinen Dorf 300 Kilometer von Mumbai entfernt, mehrere Menschen niederer Kaste aufgrund eines Familienstreits von Angehoerigen einer hoeheren Kaste umgebracht und die Frauen vergewaltigt. Die Angehoerigen der niederen Kaste sind daraufhin ins Nachbardorf einmarschiert um es den Uebeltaetern heimzuzahlen, doch wurden von der Polizei daran gehindert. Letztendlich musste die Polizei in allerlei Doerfern im hiesigen Bundesstaat verstaerkte Praesenz zeigen und nachdem letzte Woche das Denkmal eines bekannten Fuerstreiters dieser niederen Kaste beschaedigt wurde, kam es hier in Mumbai zu gewalttaetigen Ausbruechen, die sich vor allem gegen oeffentliche Verkehrsmittel und Polizei wandten. Etliche Busse und Zuege wurden in Brand gesteckt und es gab 4 Tote und viele Verletzte in den Unruhen. In einigen Doefern in der Umgegend wurde eine zweitaegige Ausgangssperre verhaengt und jetzt ist alles wieder ruhig. Ich habe von alldem gar nichts mitbekommen, nur aus den Zeitungen und Nachrichten und darueber war ich auch froh. Es kann aber sein, dass es hier bald wieder ausbricht, den das Problem ist nicht geloest: viele Menschen fuehlen sich vom Staat und der Ordnungsmacht nicht beschuetzt oder respektiert und sehen keinen anderen Weg als gewalttaetigen Widerstand. Der naechste heisse Tag ist in etwas mehr als einer Woche. Da ist ein wichtiger Feiertag besagter Kaste und Tausende treffen sich hier in Mumbai. Moege es friedlich verlaufen. Das wuensche ich allen hier.

So, und jetzt genug der Berichte. Ich sitze im Internetcafe und mein Magen knurrt. Ich gruesse Euch alle von ganzem Herzen. Stay tuned! Ihr seid die Besten!

Old Masala...

Leute, die Internetverbindung war in den letzten Wochen dermassen miserabel, dass ich den folgenden Eintrag leider erst jetzt, sehr verspätet, veröffentlichen kann. Das hat mir auch ein wenig die Lust verdorben, ständig zu schreiben, aber seid gewarnt: das kommt schon wieder ;D Im folgenden also ein Eintrag, den ich vor einer Woche geschrieben habe...

Nun gut, ich ergebe mich! Da ich mich der Anfragen, wann mein nächster Blogeintrag endlich kommt, kaum noch erwehren kann, bin ich Euch und mir wohl mal wieder einen Bericht schuldig. Und damit es nicht ganz staubtrocken wird, werde ich meinen heutigen Eintrag ein wenig mit verschiedenen Fotos würzen, so dass sich eine spannende Mischung, sozusagen ein tolles Masala. ergibt. Alright? Let's go...

Meine letzten Wochen waren mit Arbeit vollgestopft. Meine echt coole Chefin ist gerade für zwei Wochen in ärztlicher Behandlung und hat mir für diese Zeit ihren Job als Projektleiter übertragen. Das ist zwar eine Menge Arbeit, aber auch eine Möglichkeit mich für die Zeit nach diesem Projekt zu empfehlen und natürlich eine spannende Erfahrung. Und: natürlich bin Ich natürlich stolz wie Bolle über diese temporäre Beförderung.

Klar, ich arbeite nicht nur, etwas Freizeit bleibt mir schon, aber die ist schnell um. Wenn ich Abends nach hause komme, spiele ich mit ein paar netten Indern aus dem Hotel Tischtennis oder ziehe ein paar Bahnen im Pool. Ich habe mich an den Alltag hier schon gewöhnt und was für mich mittlerweile am Interessantesten ist, ist der Kontakt zu Menschen. So verbringe ich recht viel Zeit damit in der Hotellobby zu sitzen und mich mit Nitesh, einem unheimlich sympathischen Delhier zu unterhalten, oder in meinem Hotelzimmer, um mit Mridul, meinem Zimmerkollegen, über Gott und die Welt zu diskutieren. Ich will nicht meine ganze Freizeit nur mit den anderen Praktikanten verbringen, weil ich tierisch neugierig auf die Kultur hier und die Meinungen und Ansichten der Inder hier bin. Und letztendlich ist es auch die Nähe zu und das Verständnis für Leute wie Nitesh oder Mridul, die mir hier erst so richtig das Gefühl geben, nicht falsch am Platz zu sein.

Auf diesem Weg tauche ich nun richtig in dieses Land ein und finde immer mehr Wertschätzung, Respekt und teilweise sogar Bewunderung für diese Kultur. Was am Anfang am schwersten zu akzeptieren war, ist, dass die Menschen hier in solch einer schmutzigen und heruntergekommenen Umgebung leben. Die erste logische Schlussfolgerung war: es kümmert niemanden und diese Einschätzung führte bei mir teilweise zu einem Gefühl der Überlegenheit. In der Schule lernen wir über Industriestaaten, Entwicklungs- und Schwellenländer und da liegt es nahe, diese Unterscheidung wie ein Siegerpodest zu sehen auf dem wir, die wohlhabenden Europäer, ganz oben stehen. Klar, wenn es um Sauberkeit und Zugang zu Luxusgütern geht, ist das so, aber es sagt keineswegs etwas über die Menschen selber aus.

Wenn man sich draussen auf den Strassen bewegt, dann sieht man Schmutz und Chaos, wenn man aber eine Wohnung oder ein Haus betritt, dann sieht man die andere Seite. Natürlich gibt es hier mehr Probleme mit Ungeziefer und die Häuser haben Risse in den Mauern, aber der Mikrokosmos ist nicht anders als unserer: sauber, geschmückt und angenehm, auf seine indische Art. Das Hauptproblem scheint das System aussen drumherum, ein Staat, der nicht hinterherkommt, sein Volk mit intakten Strassen, sauberem Wasser und einer vertrauenswürdigen Justiz zu versorgen und vor allem, der dem Bevölkerungswachstum nicht Herr wird. Bei der Nutzung von Strassen, müssen die Verkehrswege ständig neu gelegt werden und wenn eine neue Strasse fertig gebaut ist, muss die nächste schon wieder erneuert werden. Wenn ein neues Kraftwerk gebaut ist, ist auch dieses schon ausgelastet. Wenn 1000 neue Brunnen gebaut sind, ist die Wasserknappheit immer noch da.

Man kann dieses Land einfach nicht in den gleichen Relationen wie Deutschland sehen. Es ist zu gross und die gesamte wirtschaftliche und kulturelle Situation ist völlig anders. Alles befindet sich hier im Aufbruch, es herrscht eine Stimmung des Vorankommens und Erfolgs, des Umbruchs und der Hoffnung. Man sieht Fortschritt in der Gleichstellung zwischen Mann und Frau und zwischen Kasten, neue Gesetze, um die Korruption zu bekämpfen und Umweltschutziniativen. Es ist nicht annähernd so, dass die Situation hier so ist, weil alle es in Ordnung finden. An allen Ecken und Enden wird fieberhaft gearbeitet und verbessert. Wenn wir, mit unseren Ansprüchen, in dieses Land gesetzt würden, würden wir es vermutlich nicht besser machen. Die Dinge, die man als Ausländer hier kritisieren mag, sind alle in Arbeit und unter diesen Umständen fällt es mir nicht schwer den Stolz der Inder auf ihr eigenes Land zu verstehen.

Wenn ich an mich in Deutschland denke, dann habe ich das Gefühl, den Lebenstandard bei meiner Geburt sozusagen umsonst geschenkt bekommen zu haben. Hier sind alle im Begriff ihr Leben und das ihrer Kinder täglich zu verbessern und das ist ein völlig anderes Lebensgefühl. Um dieses Gefühl des gemeinsamen Vorankommens kann man die Menschen hier wirklich beneiden. In Deutschland haben viele, viele Menschen Angst, dass es bergab geht und wenige haben das Gefühl, selbst etwas dagegen unternehmen zu können. Vielleicht brauchen wir in Deutschland mehr Visionen, was wir verbessern können, anstatt nur darüber nachzudenken, was wir erhalten müssen. Es ist besser das Vorankommen zu sehen als sich vor dem Abstieg zu fürchten. Aber was brauchen wir noch? Nun, wenn ich die Menschen hier erlebe, dann fallen mir zum Beispiel Themen ein wie die Integration von Minderheiten. Da scheinen mir die Inder fortschrittlicher zu sein. Oder etwa ein freundlicherer Umgang miteinander. Wenn ich an Deutschland denke, dann möchte ich als Ausländer nicht dort wohnen und hier habe ich bisher nie das Gefühl gehabt, dass mir irgendjemand etwas Böses wollte.

Aber nun mal eine Pause von der schwerwiegenden Themen und ein Ausflug in die lustigen Anekdoten des Alltags. Da saß ich also kürzlich bei der Arbeit in einem Teammeeting und wir unterhielten uns eine geschlagene Stunde. Die Leute wurden des Zuhörens immer müder und solange wurde allen klar, dass es Zeit wird aufzuhören. Schliesslich kam der Punkt, an dem man gemeinsam die Sitzung mit ein paar netten Schlussworten beendete und die Chefin so etwas sagte wie "Ich denke, wir sind mit unserer Agenda am Ende" und einer vielleicht noch hinzufügte "Ja, super, dann hol ich mir mal nen Kaffee" und dann alle irgendwie beipflichteten. Dann kehrte Ruhe ein und ein Gefühl der Entspannung und in genau jenem schönen Moment, in dem man realisiert, dass man seine Aufmerksamkeit nun wieder anderen Dingen widmen kann, genau in diesem Moment entfuhr einem meiner Kollegen ein herzhafter Rülpser, inmitten der gerade eingekehrten Stille, und die Selbstverständlichkeit und die erleichterte Befriedigung, die aus seinem Gesicht sprachen zwangen mich zum Lachen, einem Lachen, dass ich mir der Höflichkeit halber zu verkneifen versuchte, was mir aber nicht gelang, so dass ich ungewollt derart ins Lachen verfiel, dass mir die Tränen kamen. Zuguterletzt lachten wir alle gemeinsam ganz herzlich, obwohl, glaube ich, nur die Hälfte von uns die Ursache verstanden hatte. Lachen ist eben ansteckend und Rülpsen nicht ganz so verpönt wie in Deutschland.

Ich sitze übrigens gerade im Hotelzimmer, es ist nachmittags und ich bin nicht bei der Arbeit. Warum? Tja ja, auch ich bin nicht unkaputtbar und irgendwann musste ich mir ja mal ne Krankheit hier einhandeln. Ehrlich gesagt hatte ich sogar von der ersten Woche an eine, nämlich eine Entzündung in der Achselhöhle, die ich die ganze Zeit über trotz aller möglichen Versuche nicht los wurde. Also ging ich letzte Woche zum Arzt und der sagte mir, dass es eine Pilzinfektion sei und verschrieb mir 4 verschiedene Pillen. Die haben zwar endlich die Infektion besiegt, aber mittlerweile auch alle nützlichen Darmbazillen, so dass ich jetzt mit Magen-Darm-Problemen eine Auszeit von der Arbeit nehmen muss. Da ich die Medikamente jetzt noch nicht absetzen kann, nehme ich nun zusätzlich noch dosierte Bazillen zu mir, so dass meine Verdauung sich wieder normalisiert. Klingt jetzt eklig, ist aber zum Glück nicht so sehr, denn ausser leichten Bauchschmerzen und ständigen Klobesuchen, geht es noch einigermassen, also keine Übelkeit. Gott sei Dank, denn Übelkeit kann ich gar nicht ab. Na ja, jetzt hoffe ich, dass die Chemieüberflutung es nicht schon wieder schlimmer macht. Kurz gesagt: die schlimmsten Beschwerden haben mir hier bisher die Medikamente eingehandelt. Ironie des Lebens.

Apropos Krankheit. Es ist schon toll, wie sich hier alle um mich kümmern. Alle meine Kollegen und die AIESECer wollen mir ihre Hausweisheiten aufaschwatzen und mittlerweile habe ich schon eine gute Menge interessanter doch teilweise widersprüchlicher Empfehlungen und Tipps. Das geht von "Trink ganz viel Milch", über "Tröpfel Limettensaft in Milch, und trinke dann die klare Flüssigkeit der Milch, die sich dadurch absetzt" bis zu "Trinke bloss keine Milch". Und dann habe ich noch eine Kollegin, die zertifizierte Prana-Heilerin ist, eine für uns Mitteleuropäer leicht esoterisch anmutende Heilkunst (Pranayana), die auch die Existenz von Auren annimmt und viel mit dem Zusammenspiel von Auren und Energien zu tun hat. Na ja, so ganz vertraue ich dem noch nicht (vor allem, weil fast alle meine Lieblingsnahrungsmittel laut dieser Heilkunst sogenannte negative Energieträger sind, die man nur sparsam zu sich nehmen sollte, sowas wie Milch, Fleisch, Vollkorn), aber ich versuche mir immer Stück für Stück etwas mehr erzählen zu lassen. Vielleicht werde ich ja, wenn ich in Deutschland zurück bin, Eure Auren auf Vordermann bringen. Wer weiß? Erstmal muss ich jetzt aber meine eigene wieder hinkriegen.

Falls hier noch keine Bilder zu sehen sind, dann liegt das an der schlechten Verbindung. Meine Bilder stapeln sich hier schon und ich hoffe, dass ich Euch bald an ihnen teilhaben lassen kann.

31 Oktober 2006

Mit dem Messer am Hals doch noch mal fein raus...

Guess what?! Heute war ich mal wieder beim Friseur, weil mein Haar langsam wieder wüste Formen annahm und ich zudem nicht wusste, wie ich meinen unaufhaltsam wachsenden Bart im Zaum halten kann. Also ging ich zum "Hairdresser" um die Ecke und liess mir die Haare und den Bart schneiden. Mein erstes mal, dass jemand fremdes mir die Klinge an die Gurgel hält, aber ich muss sagen: Supersache!

Abgesehen davon, dass hier alle Männer die gleiche Standardfrisur bekommen und ich den Friseur mehrmals bitten musste, doch bitte noch etwas mehr abzuschneiden (was ihn sehr verwunderte), war es echt toll. Für insgesamt 80 Cent verliess ich inklusive Nacken- und Gesichtsmassage frohlockend den Salon und fühlte mich wie frisch aus dem Ei gepellt. Das mach ich jetzt öfter, für den Preis am liebsten jeden Tag.

Wie man merkt ist Dienstleistung hier billiger als Sachgüter, im Gegensatz zu Deutschland. Die anderen Praktikanten haben eine Reinigungskraft engagiert, die täglich für sie die Wohnung putzt, das Geschirr spült und die Wäsche wäscht und all das für monatlich 15 Euro. Das ist der absolute Berliner WG-Bewohner-Traum, oder? Tja ja, Leute, um vieles mögt Ihr mich nicht beneiden, aber die Preise hier sind manchmal schon echt überzeugend. Cheers.

30 Oktober 2006

Arbeit und strange things en detail

Seit Rahjastan keine Nachricht mehr vom Exil-Berliner! Was treibt er bloss? Ist er nun etwa auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung irgendwie im Himalaya verschollen? Nein, so kann ich Euch beruhigen: ich bin wohlauf, aber war die letzten Tage mit Arbeit beschäftigt und zudem nimmt die Masse neuer Eindrücke mit jedem weiteren Tag stetig ab und was Ihr vielleicht noch beeindruckend oder schockierend fändet, das finde ich, zumindest hier, schon normal. Ja, ich gewöhne mich an dieses eigenartig fremde Leben, auch wenn es deutlich unter meinem gewohnten Lebensstandard liegt.

Gestern blieb ich mal wieder in einem Stau stecken und neben meinem Riksha stand ein LKW, der natürlich trotz 15-minütigem Rumstehen seinen Motor nicht ausmachte und so das Riksha, in dem ich sass, mit Abgasen vollpumpte. Das erste mal in meiner Zeit hier habe ich mich vermummt, um meine Lunge und mein Hirn zu schonen. Die Rikshafahrer müssen hier mit 40 Jahren an Lungenkrebs sterben, denke ich mir in solchen Momenten immer.

Ach ja, warum eigentlich all der Stau? Liegt es nur an der schieren Menschenmasse? Nein, es liegt vor allem an der fehlenden Infrastruktur hier. Die Strassen sind weder an allen Stellen gleich breit, noch wirklich plan, sondern von allen Seiten angenagt und voller Schlaglöcher. Nicht nur die Abgase gehen auf die Lunge, sondern auch die Schlaglöcher auf die Wirbelsäule. Zwar ist hier jede Strasse an irgendeiner Stelle eine Baustelle, an der sie erweitert wird, aber wenn ein Teil fertig ist, muss der nächste gleich wieder erneuert werden. Da wird einem schlagartig bewusst, wie verwöhnt wir Deutschen mit unseren Strassen sind.

Apropos Stau: ich lese jeden Tag die Tageszeitung, die ich hier im Hotel allmorgendlich umsonst bekomme und neben den sich ständig wiederholenden Nachrichten von Exmafiosis, die auspacken wollten und dann auf offener Strasse von ihren Exkollegen hingerichtet wurden (die scheinbar einzige Art von Kriminalität, die es hier ausser Bestechlichkeit gibt), fand ich einen Artikel nach dem Motto "Ach ja, die guten alten Zeiten", in dem ein alter Mumbaier sich über die schlechten Verkehrsverhältnisse in der Stadt heutzutage beschwert. Ach ja, damals haben die Leute noch die Verkehrsregeln beachtet und man konnte über einen Zebrastreifen gehen. Nein, heute ist die Überquerung einer Strasse ein Spiessrutenlauf, bei dem man ernsthaft auf sein Leben achten muss. Immerhin führt der Stau zu niedrigen Geschwindigkeiten, mit denen gefahren wird, und wenn man den richtigen Moment abpasst, kommt man ohne vollgehupt zu werden sogar einigermassen über die Strasse. Ich bin darin schon richtig gut, hey!

Und ja, stimmt ja, ich arbeite jetzt. Toll, oder? Leider kann ich mich hier nicht en detail über die Arbeit auslassen, denn ich habe ja auch eine gewisse Verschwiegenheitspflicht, aber eines kann ich Euch sagen: es ist ein ziemliches Chaos und ich habe eine Aufgabe bekommen, von der ich Null Plan habe. Der Witz ist, dass ich immer noch besser als die meisten meiner Kollegen bin und letztendlich kann ich derzeit sogar ne Menge neuer Programmiertechniken lernen, die sich im Lebenslauf nicht allzu schlecht machen dürften. Etwas krass ist allerdings, dass ich das gerade vergangene Wochenende mal eben komplett durchgearbeitet habe, weil das Projekt, in dem ich bin, Ende November fertig sein muss. Dafür bekomm ich danach etwa ne Woche frei.

Die Arbeitsatmosphäre ist übrigens ganz nett. Zwar sitze ich einem absolut sterilen Grossraumbüro mit auf die schnelle aufgebauten Trennwänden und Arbeitsplätzen, aber die Kollegen sind sehr kommunikativ und fast die Hälfte der Zeit geht hier für die Meisten mit Unterhaltungen drauf. Ich bin hier auch einer der Ältesten, denn die Inder kommen mit etwa 21 aus der Uni und legen dann gleich loss. Das Alter merkt man aber auch vielen in ihrer noch etwas unsicheren Art an. Ausserdem ist die Kultur hier so, dass die Menschen gegenüber Vorgesetzten und Älteren sehr devot sind, was ich aus Deutschland so nicht kenne. Wenn man möchte, kann man hier womöglich richtig den Tyrann raushängen lassen, ohne auf grossen Widerstand zu stossen. Ein kleiner Nebeneffekt dieses gewissen Untertanentums ist, dass die Leute auch nur das zu machen scheinen, was ihnen der Vorgesetzte sagt, sonst aber einfach rumsitzen und warten, wobei ne Menge kostbarer Zeit drauf geht. Dennoch, ich mag meine Kollegen und wir lachen und scherzen viel und: ich habe mir schon jetzt das eigenartige indische Kopfnicken angewöhnt. Das muss ich mir in Deutschland dann aber ganz schnell wieder abgewöhnen!

Mein Büro befindet sich auf einem abgesperrten Gelände, was so eine Art Sonderwirtschaftszone ziemlich riesigen Ausmasses ist. Die hier ansässigen Unternehmen müssen weniger Steuern abdrücken und ausser Leuten die hier arbeiten, darf niemand das Gelände betreten. Und hier tritt wieder mal so eine ungewohnte Eigenart dieses Landes zu Tage: der absolute Securitywahn. Ich wette ein Drittel aller Arbeitskräfte in diesem Land sind Securityleute. Bei dieser Masse kann man sich allerdings auch leicht denken, dass die meisten nicht sehr kompetent sind und das führt dann dazu, dass diese Sicherheitsangestellten eigentlich nur stressen, aber meiner Meinung nach nicht viel bringen.

Beispiel besagte Sonderwirtschaftszone: es darf nur rein, wer einen Angestelltenpass hat. Da meiner noch in der Mache ist, bekomme ich derzeit noch täglich einen neuen Besucherschein, den ich mir jeden morgen bei einem Sicherheitsfutzi abholen muss, der aber nicht immer da ist. Also muss ich dann auch mal 15 Minuten am Eingang warten, bis besagter Mensch gemütlich angeschlendert kommt, um mich dann zu meinem grossen Verdruss aus purer Unsicherheit, was er mit mir Alien anfangen soll, lieber mit zum obersten Sicherheitsoffizier am anderen Ende des Geländes bringt, nur damit dieser ihm mit einem Kopfnicken bestätigt, dass ich hier ruhig arbeiten darf. Vielen Dank auch. Am Eingang wird dann auch meine Tasche gefilzt. Dabei wird sie eigentlich nur in die Hand genommen und ein wenig geschüttelt, damit man den Eindruck gewinnt, man mache hier seine Arbeit auch sachgemäss. Eigentlich kann ich da reinschleusen, was immer ich will.

Beispiel Downtown, Air India Building, das grösste Bürogebäude Mumbais: im Eingangsbereich gibt es eine Sicherheitsschranke und ein Fliessband für Taschen, wie am Flughafen. Jedes mal, wenn ich durchspaziere, pipt die Anlage, und die nicht erlaubte Kamera in meinem Rucksack interessiert den Sicherheitsmenschen hinter dem Scannermonitor nicht. Na fein, immerhin haben so mehr Menschen einen Job. ABM heisst sowas in Deutschland. Find ich gut.

Und sonst so, neben der Arbeit und der Zeit im Stau? Nun ja, ich versuche gerade wieder etwas mehr Sport zu treiben, indem ich fast täglich mehrere Bahnen im Hotelpool schwimme und langsam mein Lungenvolumen auf Vordermann bringen. Gleichzeitig mache ich alle 3 Tage etwas Training im kleinen Fitnessraum des Hotels. Bevor ich hierher kam, hatte ich fast zwei Monate lang nicht mehr regelmässig Sport getrieben und das muss jetzt geändert werden, auch wenn die Verhältnisse hier dafür nicht gerade wie geschaffen sind. Joggen oder Radfahren kann man hier eigentlich nicht und schicke Fitnessclubs sind hier sogar noch teurer als in Deutschland!

Überhaupt: die Preise für einige Dinge hier passen nicht ganz zu der Armut der breiten Masse. Grund und Boden sind in Mumbai teurer als in fast jeder europäischen Grossstadt und in den Reichengegenden kostet EIN Quadratmeter Wohnung monatlich zwischen 200-400 Euro Miete, in einer Wohnung in einem Hochhaus, denn Villengegenden gibt es hier aus Platzmangel nicht. Diese Zahl ist übrigens kein Witz, Leute! Ich habe das vor ein paar Tagen in der Tageszeitung gelesen. Warum, zum Teufel, dachte ich mir, ziehen solch reiche Menschen denn nicht lieber aufs Land in eine Villa und fliegen jeden morgen mit dem Hubschrauber zur Arbeit?! Oder man zieht gleich nach Europa, da ist luxuriöses Wohnen billiger und braucht keine Sorge zu haben, dass sich gleich neben seinem Haus spontan ein Slum ansiedelt. Verrückt!

Eine gute Geschichte zum Schluss: einer der anderen AIESEC-Praktikanten traf letzte Woche den Inhaber des Hotels, in dem ich hier wohne. Der kam gerade in seinem übetriebenen Mercedes vorgefahren und als er den Europäer erblickte, erkundigte er sich sofort, wie es ihm in seinem Hotel ergehe. Auf die Anmerkung, dass das Internet nicht funktioniere, wurde sofort ein Mitarbeiter zur Sau gemacht, und dann fragte er, wo denn die weibliche Begleitung des Praktikanten sei. Auf die Antwort, dass dieser eine Freundin zuhause habe, entgegnete der Hotelbesitzer, dass das ja kein Grund sei, sich keine schöne Inderin zu suchen und überreichte dem Praktikanten ein längliches Etui, welches zu dessen Überraschung eine goldene Damenarmbanduhr enthielt. Diese solle der Praktikant einer Inderin, die ihm gefalle, schenken, damit diese sich für ihn erwärme. Aha! Interessante Herangehensweise.

Ich habe übrigens noch nicht viele offensichtlich Superreiche erblickt. Die müssen sich wohl sonst eher in ihren Luxuswohnungen verstecken. Aber, es soll sie geben (und wenn ich auch noch so eine Uhr geschenkt bekomme, dann bekommst Du sie, Nina ;D ).

Und die traurige Nachricht zum Ende: gestern ist Indiens Cricketmannschaft gegen die Übermeister des Crickets, die Australier, aus dem Miniworldcup, der Champions Trophy, ausgeschieden. Die Strassen waren leergefegt. Ich sag Euch: Staatstrauer! Und weil es so ein trauriger Anlass ist, gibt es diesmal auch keine Fotos, dafür herzliche Grüße an Euch alle. I'm stay'n alive and continue providin u nice stories...

P.S.: Ich habe soeben Magdas Blog verlinkt. Dort gibt es noch mehr Fotos aus Indien und die interessante Feststellung, dass ich der "always-shopping-guy" bin. Hmmm, ok.

25 Oktober 2006

Rahjastan!

Rahjastan, das Land der Rahjputen, stolzer Wüstenkrieger, der Nomaden und der Sikhs, ein Land vorwiegend bestehend aus der großen Thar-Wüste und Schauplatz nie enden wollender Kriege zwischen Stämmen indischer und arabischer Stämme, rau und karg, doch voller bunter Farben. Meine 5-tägige Minireise durch dieses Land ist nun vorbei und jeden Tag habe ich Tagebuch geführt, um keine der vielen interessanten Erfahrungen zu verpassen. Hier sind die Abschriften meiner Tagebucheinträge.

20. Oktober 2006 (irgendwo zwischen Ahmedabad und Udaipur, im Zug):

Es ist noch früh am morgen und ich habe gerade meine erste Nacht im Schlafwagen eines indischen Zuges hinter mir. Gestern sind meine beiden Mitreisenden Gabi und Ramona,mit mir um 20:30 Uhr in Mumbai eingestiegen, allerdings in unterschiedliche Abteile, weshalb wir uns erst heute morgen in Ahmedabad, dem Zielort des Zuges, um 5:20 Uhr wiedersahen. Ahmedabad liegt im Bundesstaat Gujarat und jetzt sitz ich im Regionalzug nach Udaipur im Bundesstaat Rahjastan, dem ersten geplanten Stop dieser Tour.



Die Nacht habe ich ganz gut überstanden. Die Schlafabteile sind ok, aber keine wirklichen Abteile, sondern zum Gang hin offen. Da viele Familien mit Kindern unterwegs sind, ist es ziemlich laut. Immerhin hatte ich ein Ticket für einen klimatisierten Waggon und da ich Zugreisen gewhnt bin, konnte ich auch fast 6 Stunden schlafen.Hier im Regionalzug wird es mittlerweile immer voller. Ramona und Gabi haben sich Liegen gekrallt und schlafen während ich zwischen immer mehr Männern eingequetscht werde. Die Platzkarten sind hier scheinbar nichts wert! Was soll's, es sind ja nur 10 Stunden und wenn ich müde werde, habe ich eine natürliche Lehne.



Draussen ist es übrigens schon hell und irgendwie erscheint die Umgegend lieblicher, obwohl sie genauso vermüllt ist wie Mumbai. Irgendwo zwischen den Müllhaufen sitzen Leute und kacken oder Kinder spielen, während daneben Kühe aus verschmutzten Wasserlachen trinken. Vielleicht sind sie heilig, weil sie sowas überleben?



Es ist jetzt ein paar Stunden später und ich muss zugeben, dass ich falsch lag. Der Müll und der Schmutz enden, sobald man sich weiter von einer größeren Stadt entfernt. Dann bekommt man das wirkliche Land zu sehen und das ist sehr, sehr schön: hier herrscht noch die Natur und die Menschen leben in ihr und hier leben scheinbar weitaus weniger Menschen als ich vermutet hatte. Alles wirkt entspannter und glücklicher. Auch das Licht ist hier anders: in Mumbai strahlt die Sonne nie so direkt, vielleicht wegen des Smogs. Die Landschaft ist wirklich eine Offenbarung für mich! Wenn ich das Alles hier sehen, dann frage ich mich, warum so viele Menschen vom Land in die Stadt ziehen, um dann in einem der Slums zu enden. Das Leben auf dem Land mag wenoger Aussichten bieten, aber es ist definitiv schöner, zumindest aus meiner Sicht. In Deutschland hat die Stadt was zu bieten, hier nur mehr Schmutz und Armut.





21. Oktober 2006 (nahe Udaipur, auf dem Weg nach Jodhpur, im Bus):

Vorgestern und gestern mein erstes mal Bahn und jetzt der Bus! Erster Eindruck: komfortabel. Zweiter Eindruck: kratzt ab, wenn's bergauf geht. Aber das holt der Busfahrer wieder raus, wenn es bergab geht, denn dann schrecken in keine noch so tiefen Schlaglöcher, Zeit ist schliesslich kostbar. Mir scheint, die meisten Verletzungen entstehen hier nicht durch Verkehrsunfälle, sondern dadurch, dass sich Passagiere die hinten sitzen, wie ich gerade, den Kopf an der Decke stossen, wenn sie nach einem Schlagloch von der überweichen Federung der Hinterreder Richtung Decke geschleudert werden. Aber irgendwie ist es lustig und immerhin auch schneller als der Regionalzug.

Die Hälfte der Passagiere sind hier Backpacker. Überhaupt: die ganze Stadt Udaipur war ein einziges Tourinest. Ab er zurecht: die Lage am Stausee Lake Pichola ist umwerfend. Mitten im See steht ein Palasr, der zu schwimmen scheint und heute ein Luxushotel ist. James Bond "Octopussy" wurde hier teilweise gedreht und in vielen Hotels der Stadt wird dieser Film abends gezeigt, weil die Einwohner so stolz darauf sind. Malerischer als der nächtliche Anblick, des durch hunderte von kleinen Lichtern erhellten Sees, geht es kaum.



Als wir ankamen, begann es bereits zu dämmern. Am Bahnhof spürte man sofort den Unterschied zu Mumbai: saubere Bahnsteige, weniger Menschen und ein sehr angenehmes, trockenes und warmes Klima. Ich war richtig froh, mich so spontan für diese Reise entschieden zu haben und voller freudiger Hoffnung, auf diesem Weg die wirklichen Reize des Landes erleben zu können.

Die ganze Reise findet übrigens genau zur Zeit des Diwali, einem landesweitem Festival zu Ehren der Göttin Lakshmi, statt. Sowas gibt es in Indien nicht oft, denn die meisten Regionen haben ihre favorisierten Götter und feiern deshalb an verschiedenen Tagen. Lakshmi allerdings ist die Göttin des Reichtums und da sagt natürlich kein Inder Nein. Das muss schon gebührend gefeiert werden und so hat Diwali einen Stellenwert wie bei uns Weihnachten. Die Festlichkeiten erstrecken sich über mehrere Tage (was auch diese Reise ermöglicht hat) und heute Abend ist das Hauptfest mit Feuerwerk und Verzierungen aller Häuser. Dummerweise kriege ich davon höchstens im Bus oder Zug etwas mit. Andererseits: ein paar Böller habe ich gestern schon erleben dürfen und da ich nicht als Tauber zurück nach Berlin kommen will, kann ich auf die Knallerei liebend gerne verzichten. Könnte ich diese Böller mit nach Berlin nehmen, würde ich zu Sylvester alle Hobbysprengmeister zurück ins Mittelalter bomben, aber wohl auch wegen mehrfacher Trommelfellzerstörung angezeigt werden.

Ein andere Punkt, der mit Diwali zu tun hat, ist dass zu dieser Jahreszeit natürlich alle Inder auf dem Weg zu Familienfesten und alle Züge überfüllt sind. Wir hatten entsprechend ein wenig Sorge, ob wir in Udaipur überhaupt eine Unterkunft finden würden. Zu unserem Glück aber war gleich das erste angesteuerte Guest House unheimlich schön direkt am See gelegen mit einem großartigen Blick auf den prunkvoll beleuchtetetn Palast in der Mitte des Sees. Zu dem Zeitpunkt war es dann also schon dunkel und wir zögerten nicht lange und schnappten uns das teuerste und schönste Zimmer, schließlich verbringen wir nur eine Nacht in einer Unterkunft und den Rest im Zug und in der Wüste. Da kann man schon 20 Euro zu dritt für ein tolles Zimmer ausgeben. Genauso viel haben wir uns dann ein fürstliches Abendessen im Fast-Luxushotel nebenan kosten lassen. Also Wow: das war ein Erlebnis! Wirklich fürstlich.



Nach dem Essen spazierten wir noch ein wenig in der Altstadt herum, aber da dort Alles schon gegen 22 Uhr dicht macht und die Strassen immer leerer wurden, verschoben wir weitere Erkundungen auf heute und schliefen uns in einem superbequemen Bett so richtig aus.

Heute morgen frühstückten wir entspannt auf der schönen Seeterasse unseres Guest Houses und überlegten mit unseren 3 verschiedenen Touriguides bewaffnet, welche Orte wir uns in den uns verbleibenden 3 Stunden bis unser Bus fährt, vornehmen sollen. Leider mussten wir also eine Bootsfahrt zum Palast auf dem See und eine Besichtigung des Haremgartens das Maharadjas auslassen. Dafür waren der Palast, der nicht auf dem See, sondern nahe dem Ufer liegt und bestimmt 4 mal so groß ist, und der größte Hindutempel der Stadt, die wir besichtigten, absolut sehenswürdig.



Eigentlich hatten wir nicht genug Zeit in Udaipur, aber ich kann jedem Indienreisenden auch trotz des nur kurzen Besuch nur dringend raten, diesen Ort nicht auszulassen. Und zum Shoppen ist es super in Udaipur, was ich in Begleitung Ramonas und Gabis unter vollständiger Ausschöpfung meiner hohen Geduldsreserven deutlich zu spüren bekam, indem ich in einem Schmuckladen nach dem anderen geschleppt wurde. Jeder Laden war bis an die Zähne mit wirklich geschmackvollen Schmuck- und Kleidungsstücken ausgestattet, dafür muss man sich aber auch auf knochenharte Preisverhandlungen gefasst machen, was ich dann den Damen überließ, da ich zum Glück keinen Bedarf spürte, mich noch weiter auszustatten.



Rahjastan ist übrigens die Heimat der Rahjputen-Dynastie, der zweitaltesten Dynastie der Welt nach den japanischen Samurais, und wie jede langlebige Dynastie zeichneten sich die Rahjputen vor allem durch ihre gefürchteten Krieger aus. Sie hatten eine Reiterarmee, die egal gegen wieviele Gegner aufgrund eines strengen Ehrenkodexs niemals aufgab und wenn die Armee vernichtet war, warfen sich die Frauen der Krieger, so wollte es die Tradition, alle gemeinsam ins Feuer, um ihre Männern ins Jenseits zu begleiten. Das geschah in Rahjastans Geschichte 4 mal und veranlasste die Besatzer jedes mal unvergnügt lieber nicht dort zu siedeln und so überlebten die Rahjputen bis heute.

Die traditionelle Opferung einer Frau für ihren Mann gibt es übrigens heute noch, aber nicht in Form einer Massenverbrennung, sondern nur individuell, wenn man das so sagen kann. Es ist zwar gesetzlich verboten, aber dieser Akt wird in ganz Indien immer noch von so vielen Leuten als besonders ehrenswert angesehen, dass es alle paar Jahre mal hier und da wieder passiert, dass sich eine Frau für ihren verstorbenen Gatten auf den Scheiterhaufen begibt.

Rahjastan ist übrigens auch die Herkunftsregion der Sikhs, jener Inder mit Turban, Dolch und Vollbart, die man oft als die archetypischen vorgestellt bekommt. Und geht man noch weiter in der Geschichte zurück, so sollen angeblich wohl auch die Sinti- und Roma-Völker hierher stammen. Wer weiß, so oder so fällt auf, dass die Menschen hier stärkeren Traditionen verpflichtet sind und als Tourist ist das natürlich (bis auf die Scheiterhaufengeschichte) sehr reizvoll zu sehen.

22. Oktober 2006 (irgendwo am Rand der Thar-Wüste im Schatten eines Busches):

Irgendwo am Horizont kann ich noch die Strommasten erkennen, die neben der Straße entlanglaufen, von der aus wir gekommen sind. Die Gegend ist trocken und erdig karg, doch noch an vielen Stellen von Büschen oder kleinen Bäumen bewachsen. An ein paar Hügeln scheint goldgelber Sand hindurch, der an das erinnert, was man sich wohl als erstes unter "Wüste" vorstellt: endloose Sanddünen ohne eine Spur grün. Aber da wo ich jetzt bin, ist es noch lang nicht so. Obwohl die Tahr-Wüste in manchen Gegenden wohl wirklich so sein soll, werde ich diesen Teil nicht erleben dürfen, denn dazu müssten die Kamelführer in die verbotene Grenzgegend zu Pakistan, die von hier nur 50 Kilometer entfernt ist. Dafür führt uns unser 2-Tage-Tripp wohl heute Abend noch an den einzigen Dünenstreifen in der Umgegend von Jaisalmer, dem Ort, von dem aus wir heute morgen gestartet sind. Ich hoffe sehr, dass ich auf diesem Wege wirklich so etwas wie die Wüste, die ich mir vorstelle, zu sehen bekomme.







Da wo ich jetzt gerade bin, sind außer Ramona, Gabi und mir nur unseren beiden Kamelführer und der "Pepsiman", ein Einwohner aus einem Nachbardorf, der hier gerade irgendwie aus dem Nichts plötzlich auftauchte, um uns Softdrinks anzubieten. Während die drei sich Einheimischen unterhalten und Mittagessen für uns kochen, sitze ich hier friedlich im Schatten und nutze die Gelegenheit, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben. Übrigens putzen die Leute hier ihr Geschirr mit Wüstensand ab, was uns anfangs etwas irritierte, aber scheinbar erstaunlich gut funktioniert. Ich bin übrigens in einem weißen, traditionell-indischem Gewand gekleidet und trage einen weißen Turban. Sieht schon ganz cool aus, habe ich mir nämlich selbst gekauft.

Unsere Busfahrt gestern verlief ganz gut trotz eines geplatzten Reifens und einer Stunde Verspätung im Zielort Jodhpur, von wo aus wir den Nachtzug nach Jaisalmer nahmen. An einem der kleinen Stopps in einem Dorf mit ebenso vielen animalischen Einwohnern wie menschlichen erdreistete sich eine Kuh die Blumen-Festtags-Beschmückung des Busses abzufuttern, während der Busfahrer sich gerade einen Chai-Tee, das absolute Nationalgetränk Nummer Eins, besorgte. Auf meiner Erleichterungsausflug ins Gebüsch leif ziemlich entspannt eine Wildschweinmutter mit ihren Frischlingen an mir vorbei, die Menschen scheinbar gewohnt war, und mich natürlich erschreckte, aber sonst weiter nichts tat. Unterwegs blockierten ein paar Affen die Straße. Eine Busfahrt die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön!





In Jodhpur abends angekommen war böllertechnisch die Hölle los und wir nutzten unsere 3-Stunden-Pause bis zum Zug und verkrochen uns in einer Art indischem McDonalds mit angeblich indischem Fastfood. Das Essen war zwar typisch indisch, aber wir wurden sehr schnell bedient und als wir fertig waren auch sehr schnell wieder herauskomplimentiert, aber was eher an Fastfood beziehungsweise Fast-Foodherstellung erinnerte war die lustige Tatsache, dass ich in meinem Essen eine Tackerklemme fand, die ich zum Glück nicht runterschluckte. Irgendwie freute ich mich und dachte mir: Coole Geschichte. In den USA hätte ich mir schnell eine kleine Wunde in die Lippe gestochen und dann eine Million Dollar Schmerzensgeld verlangt. Anstattdessen gab es eine Ersatzportion, die dann auch Tackerklemmenfrei war und super schmeckte.

Nach dem Essen ging es ab zum Bahnhof, der eher einem Massenschlafsaal glich, weil der halbe Boden mit schlafenden Obdachlosen bedeckt war. So viele Menschen ohne Heim habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen. Das bedrückte mich schon ein wenig, aber hier kratzt es niemanden.

Die Nachtfahrt war diesmal etwas unangenehmer, weil auf dem nächtlichen Weg durch die steppenartige Landschaft feiner gelber Sand zu den Fenstern hereinwehte, der alle Insassen mit einer Panade bedeckte, und mir auch das erste mal in diesem Land kalt wurde, weil das Kontinentalklima den Menschen hier auch mal ganz schön kühle Nächte bereiten kann.

In Jaisalmer, einem alten Wüstenfort der Rahjputen, das ziemlich abgeschnitten von allen anderen indischen Städten nahe der pakistanischen Grenze liegt, kamen wir um 5 Uhr heute morgen an und wurden erstmal von mindestens 10 angeblichen Helfern belästigt, die uns alle zu ihren verschiedenen Hotels bringen wollten. Während wir versuchten, erstmal in unseren Reiseführern empfehlenswerte Anbieter von Kamel-Safaris auszumachen, nervten uns diese Leute mit ihrer dreisten Ignoranz, indem sie auf die Bitte, uns in Ruhe zulassen, genau 10 Sekunden eingingen, um dann wieder auf uns einzureden. Selbst als Ramona sie anschrie, reagierten sie wieder genauso. Tja, das muss man halt aushalten. Immerhin braucht man sich keine Sorgen machen, dass man wegen ungehaltener Unfreundlichkeit eine Auseinandersetzung fürchten muss.







Schließlich stellte sich heraus, dass einer der netten Menschen um uns herum angeblich für einen der empfohlenen Reiseanbieter arbeitete und so liessen wir uns von diesem zum Office desselben fahren, das allerdings so früh morgens noch geschlossen war. Netter Trick, denn eigentlich wollte er uns nur zeigen, dass der Laden zu war und wir deswegen bei ihm einen Ausflug buchen sollten. Da wir glücklicherweise deutlich und nach mehrfachen Rückbestätigungen durch typisch indisches missverständliches Kopfnicken vereinbart hatten, dass wir ihm für die Fahrt 10 Rupie geben würden, ließ er uns dann ohne großen Aufstand wieder gehen, als wir ihm deutlich machen, dass uns seine Hilfsbereitschaft nun reiche.

Und so sah die Wüste dann tatsächlich aus:




24. Oktober 2006 (nachmittags im Zug zurück nach Mumbai):

Yeehah! Die letzte Hürde ist geschafft. Nach einer kurzen, aber tollen Reise sitze ich nun wieder im Zug zurück nach Mumbai. Die letzte Hürde, von der ich sprach, war es, Plätze in diesem Zug zu bekommen, denn die indische Eisenbahngesellschaft hat ein unergründlich-ausgeklügeltes System der Platzreservierung, welches alle landestypischen Eigenschaften in sich vereint: 1. Es ist nirgendwo dokumentiert, aber jeder Inder kennt es (dafür natürlich kein Tourist). 2. Es ist bürokratisch. 3. Es ist flexibel was Schmiergelder betrifft. 4. In den Regionalzügen wird es von Allen ignoriert. 5. Man kann sich nicht darauf verlassen, aber irgendwie klappt es dann doch. Und das Ganze funktioniert dann so: neben 6 verschiedenen Buchungsklassen, gibt es noch etwa 6-8 Ticketpools, denen jeweils eine bestimmte Anzahl von Plätzen in den Zügen zugeordnet sind. Bisher habe ich ausserdem noch Folgendes verstanden: die unteren 3 Klassen sollte ein Tourist nicht buchen, denn die drittbeste ist schon hart an der Grenze (und für alle anderen braucht man sowieso keine Reservierung, weil sie niemanden interessiert), einige der Ticketpools sind scheinbar für die Vergabe gegen Schmiergeld oder für Bekannte gedacht und zuguterletzt gibt es noch Tickets mit Wartenummern. Eine Wartenummer besagt so viel wie: derzeit hat schon jemand anderes Deinen Zug, aber wenn er abspringt kriegst Du ihn. Und weil dieses System so ist wie es ist, buchen alle Inder ihre Tickets auch wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie sie später auch wirklich brauchen, und etwa ein Drittel der Tickets wird scheinbar wieder gecancelled. Letzteres Glück hatten wir, denn sonst hätten wir einen Bus oder den Schmiergeldweg gehen müssen. Also: danke, lieber Gott! Es hat geklappt.

Die letzte Nacht habe ich im Zug von Jaisalmer nach Jodhpur und den heutigen Vormittag und Mittag dann in Jodhpur verbracht. Jodhpur ist für zwei Dinge bekannt: sein beeindruckendes Fort auf einem riesigen Sandsteinfelsen und die blaugetünchten Häuser der Altstadt, die das Fort umgeben. Genau diese Orte haben wir uns dann angeschaut und genossen. Nur am Ende wurde es etwas stressig, als wir noch 15 Minuten vor Abfahrt unseres Zuges immer noch im Restaurant saßen, weil das Essen so lange brauchte und die Bedienung auf den Hinweis, dass wir uns beeilen müssen, entgegnete, dass der Zug sowieso zu spät komme und wir uns beruhigen könnten. Nachdem wir richtig Druck gemacht hatten, schafften wir es mit 10 Minuten Verspätung (inklusivem dem üblichen Mit-Rikscha-Im-Stau-Steckenbleiben) am Bahnhof anzukommen, um gerade noch den Zug zu bekommen.



Das Wüstenfort übrigens war beeindruckend riesig und mächtig. Auch diese Festung gehörte den Rahjputen und konnte niemals in ihrer Geschichte von Angreifern eingenommen werden, was bei ihrem Anblick nicht verwundert. Toll! Der letzte Radja von Jodhpur hat sich am Rand der Stadt in den 40ern einen neuen prächtigen Palast bauen lassen und die Festung in eine Touriattraktion umfunktionieren lassen. Sein Sohn, der heutige Radja Jodhpurs, hat zwar heute politisch nichts mehr zu sagen, aber immer noch genug Kohle und leitet vor allem Stiftungen für die Erhaltung des rahjputischen Kulturerbes. Kein schlechter Job und sein Schloß mal eben so aus wie der Taj Mahal. So lässt es sich leben, sag ich Euch!



Wie dem auch sei, wenn mein Zug keinen Unfall baut oder liegen bleibt, wird meine Reise hier ein glückliches Ende nehmen. Was für ein Glück, dass ich das erleben durfte. Nicht mal eine Woche vor Beginn der Reise erfuhr ich erst, dass sie stattfinden würde und in diesem Fall hat sich die Tatsache, dass ich bisher keine Arbeit zugewiesen bekommen habe, mal so richtig gelohnt. Natürlich bin ich auch hier um zu reisen, aber dass ich so schnell die Gelegenheit haben würde, hatte ich nicht erwartet, und nach diesen schönen Erlebnissen habe ich Blut geleckt und eine Riesenlust noch andere Regionen dieses übergroßen Landes zu erkunden. Ohne Frage: in Indien braucht man Nerven und ich bin mir relativ sicher, dass bestimmt die Hälfte aller Berliner, die ich kenne, hier keine große Freude hätte wegen all des Schmutzes, des geordneten Chaos, des fehlenden Komforts und der Menschen, die einen schon mal zur Verzweiflung bringen können, aber wenn man sich damit arrangieren kann, ist dieses Land so unglaublich eigenartig anders und überraschend, dass sich eine Reise hierhin wirklich lohnt. Ich kann zwar noch lange nicht von mir behaupten, dass ich mir vorstellen könnte hier für mehr als die Zeit meines Praktikums zu leben, aber hierher zu kommen, hat sich irgendwie jetzt schon gelohnt.

Jetzt hoffe ich nur noch, dass ich bald wieder die Gelegenheit haben werde, auf eine Reise zu gehen und meine Wunschliste der Zielorte habe ich auch schon: Goa und seine Strände und Riesengarnelen, Sikkim, mitten im Himalaya eingeklemmt zwischen Nepal und Bhutan und Heimat des drittgrößten Berges der Welt, Kerala ganz im Süden mit seinem Dschungel, Delhi und den Taj Mahal und schliesslich liebend gerne noch die Andamanen, eine zu Indien gehörige Inselgruppe vor südlich von Burma, die vom Tsunami vor ein paar Jahren übel getroffen wurde, aber eine Unzahl einzigartiger Tier- und Pflanzenarten und unberührte Strände beherbergt. Hier gibt es also so einiges und obschon ich weiß, dass ich meine Erwartungen hoch gesteckt sind, kann ich es ja immerhin mal versuchen und das werde ich auch ;D