Nachdem ich nun erfolgreich meinen alten Kram hochgeladen habe (ohne Fotos zwar, aber immerhin), sollte ich nun auch ein bisschen Neuigkeiten erzaehlen, auch wenn es derer nicht besonders viele gibt.
Fangen wir locker an: Wohnung. Nachdem ich nun mittlerweile schon fast Monate in meinem Hotel verbracht habe, wird es nun langsam Zeit mir eine festere Bleibe zu suchen. Normalerweise sorgen sich die AIESECer hier darum, fuer alle Praktikanten etwas zu finden, aber als ich nun heute endlich die erste mir vorgeschlagene Wohnung ansehen durfte, war ich enttaeuscht. Es fing gut an: in der Naehe einer grossen Strasse mit vielen Geschaeften, eine gute Ausgangsposition. Dann aber: der Weg zum Wohnkomplex! Mit jedem Meter, den ich mich durch die kleine Seitenstrasse von der Grossen entfernte, bewegte ich mich tiefer in eine immer verslumtere Gegend. Das macht sich letzlich auch immer in den Blicken der Leute bemerkbar. Downtown komme ich mir unbeobachtet vor, aber in den einfachen Gegenden spuere ich immer wieder deutlich, was fuer eine Attraktion ich hier bin. Egal, kommen wir zum Haus. Denn hier wurde es wieder besser. Ein relativ neuer grosser Wohnkomplex abgeschirmt von Securityleuten, die das einfache Volk fernhalten. Man spuert schon immer wieder, dass das hier eine Zwei- oder Mehrklassen-Gesellschaft ist. Dann... ein schicker Aufzug, sieht gut aus. Dann aber die Wohnung, 6 Leute, 2 pro Schlafzimmer (derer es 2 gibt) und 2 im Wohnzimmer, oder genauer gesagt nur 1 im Wohnzimmer und dann das "Bett" das fuer mich da ist. Allerdings kann man besagtes Gestell nicht wirklich ein Bett nennen, eher eine hoelzerne Rueckenzerstoererpritsche. Nein danke! Ausserdem relativ unordentlich. Nein, irgendwie ist es das nicht. Fazit: Ich muss mir wohl selbst etwas suchen und zwar schnell! Mal sehen, was sich so findet. Ich werde berichten...
Kapitel 2: Dancing, dancing...
Endlich: Disko in Mumbai! Dank der richtigen Connection stehe ich auf der Gaesteliste. In einer guten Wohngegend versteckt auf der Rueckseite eines gehobenen Hotels befindet sich der Eingang zum Ort des Begehrens. Die Leute die anstehen, sehen wie typische Partygaenger aus: stylisch gekleidet, cool. Scheint schon mal keine Prolosache zu sein. Gut. Es ist 23 Uhr, die Disko ist leer. Ich bin ueberrascht, denn schliesslich machen die Schuppen hier schon um 3 dicht. Die Preise sind krank oder genausergesagt wie in Deutschland, was ich nicht ok finde, denn wer soll sich das leisten hier? Aber genau das ist es ja. Durch hohe Preise schliesst man die aus, die man hier nicht will. Den Preis zahlt man eigentlich nur dafuer "unter sich" zu sein. Die Gewinnmarge muss toll sein. Na ja, immerhin musste ich keine 15 Euro Eintritt zahlen und es sammeln sich immer mehr Praktis. Die Musik ist cool, endlich mal. Wenn man hier Radio hoert oder indisches MTV guckt, sieht man den gleichen Popmatsch, den wir in Deutschland haben, eben Musik fuer das einfache Gemuet. Hier ist es schon besser und die Mischung macht Spass: 50% indische Musik, 50% was wir so kennen, und: die indische Musik rockt. HipHop oder Electro mit landestypischen Einfluessen. Kann ich empfehlen. Nach dem ich seit Urzeiten das erste mal wieder tanzen war, fuehlte ich mich anfangs etwas steif, aber nach 3 Stunden war ich voll in meinem Element. Ihr kennt mich ja, wenn ich einmal angefangen habe, hoer ich nicht mehr auf. Hier waer ich gerne mit Andreas, meinem Lieblingspartyrocker (Hey Andson, haste dat jelesen?). Ach ja, und wer haette es gedacht, besonders "heiss" geht es nicht her, dafuer haben alle Spass und die komischen Auslaender, die so nahe aneinander tanzen sind sich natuerlich vieler Blicke gewiss. ;D Gerne wieder.
Kapitel 3: Nationalsport in der Praxis...
Es wurde auch endlich Zeit, dass ich Cricket nicht nur verstehe, sondern auch spiele. Also ging es letztes Wochenende auf zum naechsten Sportgeschaeft, um einen einfachen Cricketschlaeger und ein paar Baelle zu besorgen. Dieser Schlaeger ist schon cooler als eine Baseballkeule, mehr wie ein Brett zum Waescheschlagen und schoen schwer. Hat was Martialisches. Gespielt habe ich dann mit Nitesh und den ganzen Hotelangestellten auf dem Hotelparkplatz. Wie der Kenner vielleicht weiss, ist es beim Cricket das Ziel einen von drei kleinen Holzstaeben zu treffen, vor denen der Schlagmann mit seinem Schlaeger steht und versucht den Ball wegzuschlagen. Gelingt ihm das kann er auf einer etwa 20 Meter langen Bahn losrennen und fuer jeden Weg den er macht, bis der Ball wieder zurueckgebracht wird, gibt es einen Punkt. Wird aber einer der Staebe getroffen ist der Schlagmann raus und wird ersetzt, bis die Mannschaft keinen mehr hat. Dann sind die anderen dran und muessen mehr Punkte machen. Das ist jetzt stark vereinfacht, aber trifft es so in etwa. Nun aber zur Praxis: denn Ball zu treffen ist leichter als ich dachte und macht tierisch Spass. Den Ball aber in die richtige Richtung zu schlagen ist verdammt schwer. Werfen ist auch spassig, obwohl ich da ganz schoen versagt habe. Die Hoteljungs hatten viel Spass und haben mit aller Kraft geworfen und da wir einen Holzstuhl anstatt der drei Holzstaebe benutzten war dieser nach 2 Stunden Spiel in Stuecke geschossen, was der Hotelmanager, der dann ankam, nicht besonders lustig fand. Seitdem bin ich nicht mehr dazu gekommen, freue mich aber schon auf das naechste mal.
Kapitel 4: indische Gastfreundschaft.
Das Wochenende, das gerade zu Ende geht, war ein schoenes. Am Samstag abend war ich von meiner Chefin zu ihren Eltern eingeladen und habe das erste mal Nicht-Aueslaender zu hause besucht. Ihre Eltern waren echt nett und haben mich natuerlich mit allerlei Leckereien vollgestopft. Mir wurde erklaert ich duerfe auf keinen Fall "No" sagen, also habe ich spaeter "Rather not" gesagt, um mich vor dem Nachauserollen zu bewahren. Wir haben viel gelacht und mir wurde erneut der Hinduismus erklaert. So langsam blicke ich immer mehr durch, obwohl das nicht ganz einfach ist bei den vielen Goettern und Geschichten. Heute waren eine ganze Gruppe von Praktikanten und ich zu einem AIESECer hier nach hause eingeladen, um ein bisschen im Swimming Pool der Wohnanlage, in der er wohnt, zu paddeln. Das Wasser war eiskalt und wir wurden ausgelacht, weil sich die Inder nicht vorstellen konnten, dass wir Aueslaender in Indien irgendetwas kaelter als sie finden koennten, also habe ich die Theorie entworfen, dass wir in unserer Lebenszeit einfach nicht genug Waerme aufgenommen haben, um so viel Kaelte zu ertragen. Ueberzeugend war das nicht, aber immerhin unterhaltsam. Danach wurden wir von seinen Eltern mit Essen verwohent und ich musste erneut feststellen, dass hausgemachte Kost noch besser als die im Restaurant ist. Erneut wurde mir der Hinduismus erklaert und so langsam schaffe ich es immer mehr die Leute mit meinen gesammelten Kenntnissen zu beeindrucken. Wer liebt es nicht, wenn ein Aueslaender die eigene Kultur versteht und kennt? Ein relaxter Sonntag und jetzt sitze ich hier...
Letztes Kapitel: Unruhen!
Vor 4 Tagen ging es hier in Mumbai in einigen Orten ganz schoen rund. Vor einem Monat wurden in einem kleinen Dorf 300 Kilometer von Mumbai entfernt, mehrere Menschen niederer Kaste aufgrund eines Familienstreits von Angehoerigen einer hoeheren Kaste umgebracht und die Frauen vergewaltigt. Die Angehoerigen der niederen Kaste sind daraufhin ins Nachbardorf einmarschiert um es den Uebeltaetern heimzuzahlen, doch wurden von der Polizei daran gehindert. Letztendlich musste die Polizei in allerlei Doerfern im hiesigen Bundesstaat verstaerkte Praesenz zeigen und nachdem letzte Woche das Denkmal eines bekannten Fuerstreiters dieser niederen Kaste beschaedigt wurde, kam es hier in Mumbai zu gewalttaetigen Ausbruechen, die sich vor allem gegen oeffentliche Verkehrsmittel und Polizei wandten. Etliche Busse und Zuege wurden in Brand gesteckt und es gab 4 Tote und viele Verletzte in den Unruhen. In einigen Doefern in der Umgegend wurde eine zweitaegige Ausgangssperre verhaengt und jetzt ist alles wieder ruhig. Ich habe von alldem gar nichts mitbekommen, nur aus den Zeitungen und Nachrichten und darueber war ich auch froh. Es kann aber sein, dass es hier bald wieder ausbricht, den das Problem ist nicht geloest: viele Menschen fuehlen sich vom Staat und der Ordnungsmacht nicht beschuetzt oder respektiert und sehen keinen anderen Weg als gewalttaetigen Widerstand. Der naechste heisse Tag ist in etwas mehr als einer Woche. Da ist ein wichtiger Feiertag besagter Kaste und Tausende treffen sich hier in Mumbai. Moege es friedlich verlaufen. Das wuensche ich allen hier.
So, und jetzt genug der Berichte. Ich sitze im Internetcafe und mein Magen knurrt. Ich gruesse Euch alle von ganzem Herzen. Stay tuned! Ihr seid die Besten!
03 Dezember 2006
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