28 Dezember 2006

Heimliche Herrscher und Neujahrsmassaker!

Martialischer Titel, ich weiss, aber nachdem ich in meinen letzten Blogeintraegen ja mehr ueber mich berichtet habe als ueber den Indischen Alltag, will ich heute mal wieder ein paar kleine Anekdoten aus dem verrueckten Grossstadtleben des Uebermolochs Mumbai fuer Euch schreiben und damit Ihr es durchhaltet beginnt das Ganze eben mit diesem hoffentlich Neugier weckenden Titel...

"Die Deutschen muessen wieder das Toeten lernen!" So oder so aehnlich lautete ein Zitat von ein paar Nordamerikanischen Diplomaten, das ich vor ein paar Wochen im Internet aufgriff. Die Hintergrundgeschichte war, dass ein Haufen kanadischer Soldaten in Afgahnistan ins Kreuzfeuer von irgendwelchen verrueckten Rebellen geriet und, weil die Deutschen keine Erlaubnis fuer Einsaetze in dieser Gegend hatten und deswegen nicht eingriffen, verloren mehrere Kanadier ihr Leben. Ehrlich gesagt: Diskussion hin und her, ich bin stolz, dass "wir Deutschen" scheinbar "das Toeten verlernt haben" und so habe ich dieses Zitat mit einer gewissen Freude aufgenommen, als Bestaetigung, dass wir aus der Geschichte was gelernt haben, auch wenn das nicht bedeutet, dass es mir fuer die kanadischen Soldaten nicht leid tut.

Was aber hat das Ganze mit Indien zu tun? Nun ja, nicht viel. Vielleicht stellten sich ein paar Leute die Frage: wo waren eigentlich die Deutschen, als es rund ging? Und wenn ich nun bald ueber Neujahr in Goa bin, dann wird sich vielleicht manch ein Tierschuetzer fragen: wo war eigentlich Robert zum Neuhjahrsmassaker? Haette er nicht eingreifen koennen? Aber ich sollte vielleicht einen Gang zurueckschalten und Euch aufklaeren, worum es hier eigentlich geht...

Alles fing am 24. Dezember an, als ich mein Haus verliess und durch die slumartigen Strassen, die es umgeben, spazierte. Da kam mir ein Haufen Kinder mit zwei Riesenziegen entgegen. Ja, Riesenziegen! Keine Ahnung, wo die diese Mutanten her hatten, aber so grosse Ziegen habe ich noch nie gesehen! Leider hatte ich keine Kamera dabei, um diese Wesen aufzunehmen, aber ich sage Euch: mit ihren bunt gefaerbten Maehnen und glaenzendem kronenartigem Hoernerschmuck sahen sie aus wie echte Koenige ihrer Art. Nun, man muss nicht lange raten, was diese Ziegen zu einem Feiertag wie dem 24. erwartete... richtig, der suesse Tod.

Etwas komisch, dass hier ueberhaupt Weihnachten gefeiert wird, wo es hier doch vor allem Hindus gibt. Aber wartet mal: seit wann essen denn Hindus Fleisch bzw. Ziegen? Das klingt nicht nur komisch, sondern ist in den meisten Faellen auch falsch. Moeglich ist die Geschichte mit den Ziegen aber, weil die Gegend, in der ich wohne, eine Moslemgegend ist. Hier wimmelt es nur so von Frauen in Burka oder Schador und Maennern mit dieser typisch muslimischen Kopfbedeckung (eine weisse handgewebte Stoffkappe) und in genauer Sichtlinie unseres Hauses steht auch die groesste Moschee der Umgegend. Fuer mich hat das nur einen, anfangs leidlichen, Nebeneffekt: natuerlich teilt man seine Froemmigkeit mit der ganzen Umgegend, indem zu den Gebetszeiten die Lautstaerke aufgedreht und laut zu Allah gefleht wird, was irgendwie immer wieder wie ein unglueckliches Wehklagen klingt und vor allem um 6 Uhr morgens ein wenig gewohenungsbefuertig ist. Mittlerweile aber wache ich davon schon nicht mehr auf, muss nur immer ein bisschen Schmunzeln, wenn dieses unpassende Trauerklagen die Strassen erfuellt.

Aber zurueck zu den Ziegen... Warum denn ueberhaupt zu Weihnachten? Nun, das habe ich auch noch nicht herausgefunden, Fakt ist aber: es ist ein Feiertag und das freut bekanntlich jeden, egal welcher Religion sie/er auch angehoert. Jetzt kommt es aber Dicke fuer die armen Ziegen: Neujahr ist natuerlich ein besonders grosses Fest und so stellte ich den letzten Tage eine verstaerke Ziegenzuwanderung in meiner Umgebung fest. Nahezu an jeder steht nun eine bunt geschmueckte Ziege und weiss nicht, was sie erwartet. In unserem Haus wurde der Fitnessraum im Erdgeschoss nun in einen Ziegenstall umfunktioniert, damit die aussergewoehnlichen Einwanderer dort noch ein paar komfortable Tage geniessen koennen. Und am 1. Januar, wenn dann die Strassen in Blut getraenkt wurden, stellt sich der Tierschuetzer vielleicht die Frage: wo war Robert, als die Ziegen massakriert wurden?

Nun ja, ich werde heute abend mit einer lustigen Gruppe Praktikanten in einen Bus steigen, um 14 Stunden und ueber Nacht nach Goa zu fahren. Und bevor ich mich auf den Weg mache, wollte ich noch mal von mir hoeren lassen. Und uebrigens: Goa ist christlich gepraegt, weil es eine portugisiesche Provinz war. Ich werde dort also vom Ziegenmord verschont bleiben...

Eine andere interessante animalische Spezies, die hier die Strassen bevoelkert ist der Grossstadthund, eine nicht deutlich einer Rasse zuzuordnende Mischung, sozusagen der typische Strassenkoeter ohne Herrchen. Ein vorteilhaftes Geschoepf, weil es die Ratten dezimiert, nachteilhaft aber bei Nacht. Im gemeinen Indischen Strassenkoeter schlummert naemlich, tagsueber verborgen, ein Tyrann! Waehrend man ihn tagsueber ueblicherweise schlafend am Strassenrand auffindet und sich fragt, ob diese Tiere ueberhaupt leben und nicht nur tot herumliegen und es einfach keine kuemmert, beherrscht er des Nachts die Strassen. Der schlaue Rikshafahrer weiss, dass wenn Nachts eine Meute Hunde auf der Strasse steht, er in so mancher Situation besser einen Kreis um sie macht, als sie wegzuhupen zu versuchen. Und so ist die Nacht von Hundejaulen und -fiepen erfuellt und den Geraeuschen zufolge sterben eine Menge Hunde in dieser Zeit durch Kaempfe mit rivalisierenden Banden. Morgen humpelt so manch ein Tier mit unschoenen Wunden am Strassenrand entlang, bevor es sich dann wieder schlafen legt, um sich fuer die naechste Nacht zu erholen.

Jetzt aber noch ein kleiner Nachweihnachtsbericht, kurz gefasst, fuer den ungeduldigen Leser. Mein Weihnachten war ungewohnt: sommerliche Temperaturen, keine Familie und nichts zu sehen auf den Strassen, was auf ein Fest hinweisen koennte (ausser den paar geschmueckten Ziegen), kurz gesagt: keine Weihnachtsstimmung. Advent und Nikolaus sind hier uebrigens voellig unbekannt. Ich war auf einem netten gemeinsamen Weihnachtsdinner mit anderen Praktikanten und danach gabs in meiner Wohnung eine fette Party. So richtig typisch heimelig und entspannend war es also nicht, aber trotzdem feierlich und eine nette Abwechslung zum sonstigen Alltag.




Unsere Weihnachtsdinner-Gesellschaft



Unser Weihachtsmann und Geschenkeverteiler Sunil




Party in meiner Bude



Prashant und Adi, zwei coole Mumbai-AIESECer

Am 25. habe ich einen kleinen Ausflug zur World Press Photo Ausstellung gemacht (siehe: neuer Link auf der rechten Seite) und wurde zu meiner Ueberraschung von mindestens 10 anderen Praktis begleitet. Wie erwartet war die Ausstellung lohnenswert, obwohl tendenziell natuerlich eher runterzieherisch. Seht selbst unter dem erwaehnten Link.



Auf dem Weg zur Ausstellung... und das naechste auch noch mal...



So und jetzt wuensche ich Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr, bevor ich nach hause abzische und meine sieben Sachen fuer Goa packe. Am 3. Januar bin ich wieder zurueck und irgendwann die Tage, werde ich dann mal wieder von mir hoeren lassen. Bis dahin geniesst den Dezember und die anschliessenden (wunderschoenen) Fotos der Strassen um meine Wohnkomplex herum... Cheeeeeeeeers!



19 Dezember 2006

Business Trip

Mit einem Schnupfen aber gluecklich bin ich wieder zurueck in Mumbai, meinem Lieblingsmoloch. Das letzte Wochenende hatte ich die Ehre zu einem Vortrag vor 23 langjaehrig erfahrenen Managern meines Unternehmens einen Vortrag ueber Deutschland zu halten und mit ihnen ein interkulturelles Training durchzufuehren. Da das Ganze nicht in Mumbai sondern in Hyderabad stattfand, bekam ich Flug und Unterkunft bezahlt und hatte so mal wieder die Gelegenheit einen weiteren, mir unbekannten Ort in diesem Riesenland zu besichtigen.



Erster Eindruck von Hyderabad: Wow! Indische Grossstadt, aber weniger los, sauberer, moderner und trockenere Luft, kurz gesagt: auf Anhieb sympathischer als Mumbai. Mir scheint immer mehr, ich bin gleich von Anfang an in das groesstmoegliche Extrem gestuerzt als ich hier in Mumbai ankam. Aber keine Sorge: bereuen tue ich mein Leben hier in Mumbai dennoch nicht.

Spannend in Hyderabad ist: zwei Dinge kennzeichnen die Stadt: Informatikfirmen und Moslems, beides sieht man hier wie Sand am Meer. Die starke Praesenz von Moslems ist historisch auf mehrere arabische Koenigsdynastien zurueckzufuehren, die sich diese Gegend einstmals erkaempft hatten und lange dort lebten. Als die Briten Indien verliessen und Hindustan sich in Pakistan, Ost-Pakistan (heute Bangladesch) und Indien aufteilte, wusste keiner, was mit Hyderabad passieren sollte, weil die Trennung eine religioese und Hyderabad eine Islaminsel inmitten einer hinduistisch gepraegten Gegend war. Dass es nun zu Indien gehoert war wohl eher eine pragmatische Loesung, aber offensichtlich kein Problem, denn groessere Unruhen hat es in Hyderabad meines Wissens nicht gegeben.

Die Stadt besteht aus modernen Gegenden voller Kaufhaeuser und Villen und den alten Stadtteilen, die von der ganzen Architektur her eher wie eine Stadt im mittleren Osten aussieht (oder so wie ich mir eine solche vorstelle). Auf jeden Fall interessant. Uebrigens war ich nicht allein, sondern, wie schon bei meinem Rajahstan-Ausflug, in Begleitung von Ramona und Gabi, die ebenfalls Vortraege hielten (und mir ganz nebenbei zu dieser Gelegenheit Zugang verschafft haben). Abends wurden wir unerwartet zu einer Weihnachtsparty einer anderen IT-Firma eingeladen, wo auslaendische Praktikanten dieser Firma mit viel Alkohol und lauter Musik auf einer stylischen Dachterasse das Leben begossen. Ich war lang nicht mehr auf einer so coolen Party. Wow! Dank eines tollen Bettes im Hotel und genug Zeit zum Ausschlafen fiel mein Kater etwas geringer aus...






Mein Wochenende war also richtig nett. Jetzt arbeite ich noch 2 Wochen und dann geht es uebers Neujahr ab nach Goa. Spaetestens im Neujahr gibt es dann also wieder neue Berichte un Bilder. Fuer die Zwischenzeit gibt es jetzt noch ein paar wunderschoene Fotos von den Slums um mein Haus herum und Blicken weiter auf die Stadt heraus, geschossen vom Dach des Gebaeudes (auf dem wir bald mal eine kleine Grillparty steigen lassen muessen). An meine Bude habe ich mich uebrigens schon richtig gut gewoehnt und auch wenn der Wohnkomplex von Dreck umgeben ist, laesst es sich hier doch ganz vernuenftig und vor allem relativ gut angebunden leben. Seht Euch um...






Ich wuensche Euch allen glueckliche Adventstage, coole Geschenke, Glueck und alles, was man sich sonst noch so wuenschen kann (eine ganze Menge). Feiert schoen...

Euer Robert

14 Dezember 2006

Pics, Pics, Pics...

Jaaaaaaa! Es fuehlt sich gut an, endlich mal wieder auf einem schnellen Datenstrom zu surfen! Dieses Internetcafe hier, nahe meiner neuen Bleibe, hat endlich mal eine tuechtige Verbindung und die will ich nun nutzen, um Euch mit all den Bilder visuell vollzuspammen, die sich bei mir in den letzten Wochen angesammelt haben... in dieser langen Durststrecke mit Unter-2kB-Connections... Also macht Euch bereit fuer visuelle Ueberstimulation oder auch einfach mal nur Gucken anstatt immer nur meine ellenlangen Tiraden zu lesen (apropos: danke fuer die Geduld, aber kein Danke an die die zu faul sind ;D). Let's go...



Abendessen im Hotelzimmer... von links nach rechts: Simon, Nitesh, Mai und ich



Anschliessendes Feiern...



und Posen...



Und noch mal Posen... Ana, Mai, Warum vergesse ich diesen Namen bloss immer?, Magda, Simon, Nitesh



Nein, das hier ist kein schwules Paaerchen! In Indien halten sich Maenner, die gute Freunde sind, gerne mal an der Hand oder auch naeher... ein Kollege sagte mir letztens das liege daran, dass sie bis zur Heirat so wenig koerperliche Naehe zu Frauen haetten, da befriedige man sein Beduerfnis nach koerperlicher Naehe eben auf diesem Wege, allerdings voellig asexuell. Ob das stimme? Keine Ahnung... irgendwie sieht es immer wie suess aus.



Henna-Handbemalung a la Indien... Sieht besser als die in Deutschland, oder? Ist ja auch das Original!



Meine beiden Lieblings-Hotelangestellten... fragt mich nicht nach dem Namen... ich kann mir schon immer mehr merken, aber am Anfang klingen alle Namen viel zu fremdartig um sie sich zu merken ;D



Ich hab's wohl schon erwaehnt, aber ich muss es wohl noch mal wiederholen: die Kuh ist hier der hoechstpriorisierte Verkehrsteilnehmer. Normalerweise hat der staerkere das Sagen, aber einer Kuh macht sogar der Nahverkehrsbus Platz, auch auf dem Highway... that's really laid back



Mumbai Downtown... die Meerespromenade (Marine Drive)



Ach ja, letztens war ich mal wieder im 5-Sterne-Hotel in einem der angesagtesten Clubs der Stadt auf der Gaesteliste und umsonst feiern... Das hier ist die Lobby und der Herr neben Ana Maria und Mai ist Juan, ein Spanier, der hier sein Geld mit exotischer Gitarrenuntermalung der gepflegten Atmosphaere verdient (und nebenbei bemerkt jeden Tag umsonst das beste Buffet, das ich jemals erlebt habe, geniesst).



Zur linken: Mridul, mein Lieblings-Raum-Mitbewohner, ein richtiger Panjabi und Computerprogramme-in-Deutsch-Uebersetzer. Mit dem Kerl hier habe ich manchmal Stunden lang bis spaet in die Nacht ueber Musik, Filme, unsere verschiedenen Ansichten und Politik diskutiert. Schade, dass er jetzt im fernen Osten der Stadt wohnt und ich im Westen. Zur rechten: Manish, der Mann, gegen den ich im Tischtennis keine Chance habe, obwohl ich fast taeglich im Hotel trainiert habe!



Prachtvolles Gebaeude, oder? Es ist das Polizeihauptquartier Mumbais... da kann sich die deutsche Polizei aber mal ein Vorbild nehmen...



Nach dem Cricket-Match: Nitesh, mein Lieblingsinder ueberhaupt (mit dem Cricketschlager), und ein paar Hotelangestellte (uebrigens auch sehr cool)...



In vielen Gegenden reiht sich ein Geschaeft an das Naechste und viele verkaufen ihre Waren einfach von einem aufgebauten Stand mitten auf der Strasse, wie hier: farbenfroh wie immer... uebrigens: Maenner kleiden sich fuer unseren Geschmack relativ "normal", waehrend Frauen fast immer traditionell Kleidung tragen. Das ist meist ein Salwar, ein sehr langes, an der Seite geschlitztes Hemd, das mehr einem Kleid gleicht, darunter Pajama, leichte Stoffhosen und GANZ WICHTIG ein grosses Tuch, dass man sich um die Brust und ueber die Schultern legt. Fuer gewoehnlich ist die Kombination sehr bunt, waehrend Maenner eher bescheidenere Farben waehlen... die Frauenkleidung finde ich uebrigens richtig schoen hier... manchmal etwas grell, aber das Schoene ist, dass der Schnitt fast jede Frau elegant aussehen laesst, auch wenn sie keinen Modelkoerper hat. Apropos: Saris sieht man natuerlich auch oft, aber die sind bauchfrei, was wiederum in vielen Faellen eher sehr unelegant ausfaellt...



Und zum Abschluss zwei Impressionen von der Strasse...



Mehr gibt es hoffentlich bald... ich hoffe bald eine Internetverbindung zuhause zu haben und dann gibt es Bilder von der neuen Bude, von den Slums aussenrum und meinen neuen Mitbewohnern...

Ich gruesse Euch alle von ganzem Herzen. Erfriert mir nicht da drueben, im nun kalten Berlin. Ich denk an Euch!!!

Au revoir, mes ami(e)s.

03 Dezember 2006

Brand new Masala...

Nachdem ich nun erfolgreich meinen alten Kram hochgeladen habe (ohne Fotos zwar, aber immerhin), sollte ich nun auch ein bisschen Neuigkeiten erzaehlen, auch wenn es derer nicht besonders viele gibt.

Fangen wir locker an: Wohnung. Nachdem ich nun mittlerweile schon fast Monate in meinem Hotel verbracht habe, wird es nun langsam Zeit mir eine festere Bleibe zu suchen. Normalerweise sorgen sich die AIESECer hier darum, fuer alle Praktikanten etwas zu finden, aber als ich nun heute endlich die erste mir vorgeschlagene Wohnung ansehen durfte, war ich enttaeuscht. Es fing gut an: in der Naehe einer grossen Strasse mit vielen Geschaeften, eine gute Ausgangsposition. Dann aber: der Weg zum Wohnkomplex! Mit jedem Meter, den ich mich durch die kleine Seitenstrasse von der Grossen entfernte, bewegte ich mich tiefer in eine immer verslumtere Gegend. Das macht sich letzlich auch immer in den Blicken der Leute bemerkbar. Downtown komme ich mir unbeobachtet vor, aber in den einfachen Gegenden spuere ich immer wieder deutlich, was fuer eine Attraktion ich hier bin. Egal, kommen wir zum Haus. Denn hier wurde es wieder besser. Ein relativ neuer grosser Wohnkomplex abgeschirmt von Securityleuten, die das einfache Volk fernhalten. Man spuert schon immer wieder, dass das hier eine Zwei- oder Mehrklassen-Gesellschaft ist. Dann... ein schicker Aufzug, sieht gut aus. Dann aber die Wohnung, 6 Leute, 2 pro Schlafzimmer (derer es 2 gibt) und 2 im Wohnzimmer, oder genauer gesagt nur 1 im Wohnzimmer und dann das "Bett" das fuer mich da ist. Allerdings kann man besagtes Gestell nicht wirklich ein Bett nennen, eher eine hoelzerne Rueckenzerstoererpritsche. Nein danke! Ausserdem relativ unordentlich. Nein, irgendwie ist es das nicht. Fazit: Ich muss mir wohl selbst etwas suchen und zwar schnell! Mal sehen, was sich so findet. Ich werde berichten...

Kapitel 2: Dancing, dancing...
Endlich: Disko in Mumbai! Dank der richtigen Connection stehe ich auf der Gaesteliste. In einer guten Wohngegend versteckt auf der Rueckseite eines gehobenen Hotels befindet sich der Eingang zum Ort des Begehrens. Die Leute die anstehen, sehen wie typische Partygaenger aus: stylisch gekleidet, cool. Scheint schon mal keine Prolosache zu sein. Gut. Es ist 23 Uhr, die Disko ist leer. Ich bin ueberrascht, denn schliesslich machen die Schuppen hier schon um 3 dicht. Die Preise sind krank oder genausergesagt wie in Deutschland, was ich nicht ok finde, denn wer soll sich das leisten hier? Aber genau das ist es ja. Durch hohe Preise schliesst man die aus, die man hier nicht will. Den Preis zahlt man eigentlich nur dafuer "unter sich" zu sein. Die Gewinnmarge muss toll sein. Na ja, immerhin musste ich keine 15 Euro Eintritt zahlen und es sammeln sich immer mehr Praktis. Die Musik ist cool, endlich mal. Wenn man hier Radio hoert oder indisches MTV guckt, sieht man den gleichen Popmatsch, den wir in Deutschland haben, eben Musik fuer das einfache Gemuet. Hier ist es schon besser und die Mischung macht Spass: 50% indische Musik, 50% was wir so kennen, und: die indische Musik rockt. HipHop oder Electro mit landestypischen Einfluessen. Kann ich empfehlen. Nach dem ich seit Urzeiten das erste mal wieder tanzen war, fuehlte ich mich anfangs etwas steif, aber nach 3 Stunden war ich voll in meinem Element. Ihr kennt mich ja, wenn ich einmal angefangen habe, hoer ich nicht mehr auf. Hier waer ich gerne mit Andreas, meinem Lieblingspartyrocker (Hey Andson, haste dat jelesen?). Ach ja, und wer haette es gedacht, besonders "heiss" geht es nicht her, dafuer haben alle Spass und die komischen Auslaender, die so nahe aneinander tanzen sind sich natuerlich vieler Blicke gewiss. ;D Gerne wieder.

Kapitel 3: Nationalsport in der Praxis...
Es wurde auch endlich Zeit, dass ich Cricket nicht nur verstehe, sondern auch spiele. Also ging es letztes Wochenende auf zum naechsten Sportgeschaeft, um einen einfachen Cricketschlaeger und ein paar Baelle zu besorgen. Dieser Schlaeger ist schon cooler als eine Baseballkeule, mehr wie ein Brett zum Waescheschlagen und schoen schwer. Hat was Martialisches. Gespielt habe ich dann mit Nitesh und den ganzen Hotelangestellten auf dem Hotelparkplatz. Wie der Kenner vielleicht weiss, ist es beim Cricket das Ziel einen von drei kleinen Holzstaeben zu treffen, vor denen der Schlagmann mit seinem Schlaeger steht und versucht den Ball wegzuschlagen. Gelingt ihm das kann er auf einer etwa 20 Meter langen Bahn losrennen und fuer jeden Weg den er macht, bis der Ball wieder zurueckgebracht wird, gibt es einen Punkt. Wird aber einer der Staebe getroffen ist der Schlagmann raus und wird ersetzt, bis die Mannschaft keinen mehr hat. Dann sind die anderen dran und muessen mehr Punkte machen. Das ist jetzt stark vereinfacht, aber trifft es so in etwa. Nun aber zur Praxis: denn Ball zu treffen ist leichter als ich dachte und macht tierisch Spass. Den Ball aber in die richtige Richtung zu schlagen ist verdammt schwer. Werfen ist auch spassig, obwohl ich da ganz schoen versagt habe. Die Hoteljungs hatten viel Spass und haben mit aller Kraft geworfen und da wir einen Holzstuhl anstatt der drei Holzstaebe benutzten war dieser nach 2 Stunden Spiel in Stuecke geschossen, was der Hotelmanager, der dann ankam, nicht besonders lustig fand. Seitdem bin ich nicht mehr dazu gekommen, freue mich aber schon auf das naechste mal.

Kapitel 4: indische Gastfreundschaft.
Das Wochenende, das gerade zu Ende geht, war ein schoenes. Am Samstag abend war ich von meiner Chefin zu ihren Eltern eingeladen und habe das erste mal Nicht-Aueslaender zu hause besucht. Ihre Eltern waren echt nett und haben mich natuerlich mit allerlei Leckereien vollgestopft. Mir wurde erklaert ich duerfe auf keinen Fall "No" sagen, also habe ich spaeter "Rather not" gesagt, um mich vor dem Nachauserollen zu bewahren. Wir haben viel gelacht und mir wurde erneut der Hinduismus erklaert. So langsam blicke ich immer mehr durch, obwohl das nicht ganz einfach ist bei den vielen Goettern und Geschichten. Heute waren eine ganze Gruppe von Praktikanten und ich zu einem AIESECer hier nach hause eingeladen, um ein bisschen im Swimming Pool der Wohnanlage, in der er wohnt, zu paddeln. Das Wasser war eiskalt und wir wurden ausgelacht, weil sich die Inder nicht vorstellen konnten, dass wir Aueslaender in Indien irgendetwas kaelter als sie finden koennten, also habe ich die Theorie entworfen, dass wir in unserer Lebenszeit einfach nicht genug Waerme aufgenommen haben, um so viel Kaelte zu ertragen. Ueberzeugend war das nicht, aber immerhin unterhaltsam. Danach wurden wir von seinen Eltern mit Essen verwohent und ich musste erneut feststellen, dass hausgemachte Kost noch besser als die im Restaurant ist. Erneut wurde mir der Hinduismus erklaert und so langsam schaffe ich es immer mehr die Leute mit meinen gesammelten Kenntnissen zu beeindrucken. Wer liebt es nicht, wenn ein Aueslaender die eigene Kultur versteht und kennt? Ein relaxter Sonntag und jetzt sitze ich hier...

Letztes Kapitel: Unruhen!
Vor 4 Tagen ging es hier in Mumbai in einigen Orten ganz schoen rund. Vor einem Monat wurden in einem kleinen Dorf 300 Kilometer von Mumbai entfernt, mehrere Menschen niederer Kaste aufgrund eines Familienstreits von Angehoerigen einer hoeheren Kaste umgebracht und die Frauen vergewaltigt. Die Angehoerigen der niederen Kaste sind daraufhin ins Nachbardorf einmarschiert um es den Uebeltaetern heimzuzahlen, doch wurden von der Polizei daran gehindert. Letztendlich musste die Polizei in allerlei Doerfern im hiesigen Bundesstaat verstaerkte Praesenz zeigen und nachdem letzte Woche das Denkmal eines bekannten Fuerstreiters dieser niederen Kaste beschaedigt wurde, kam es hier in Mumbai zu gewalttaetigen Ausbruechen, die sich vor allem gegen oeffentliche Verkehrsmittel und Polizei wandten. Etliche Busse und Zuege wurden in Brand gesteckt und es gab 4 Tote und viele Verletzte in den Unruhen. In einigen Doefern in der Umgegend wurde eine zweitaegige Ausgangssperre verhaengt und jetzt ist alles wieder ruhig. Ich habe von alldem gar nichts mitbekommen, nur aus den Zeitungen und Nachrichten und darueber war ich auch froh. Es kann aber sein, dass es hier bald wieder ausbricht, den das Problem ist nicht geloest: viele Menschen fuehlen sich vom Staat und der Ordnungsmacht nicht beschuetzt oder respektiert und sehen keinen anderen Weg als gewalttaetigen Widerstand. Der naechste heisse Tag ist in etwas mehr als einer Woche. Da ist ein wichtiger Feiertag besagter Kaste und Tausende treffen sich hier in Mumbai. Moege es friedlich verlaufen. Das wuensche ich allen hier.

So, und jetzt genug der Berichte. Ich sitze im Internetcafe und mein Magen knurrt. Ich gruesse Euch alle von ganzem Herzen. Stay tuned! Ihr seid die Besten!

Old Masala...

Leute, die Internetverbindung war in den letzten Wochen dermassen miserabel, dass ich den folgenden Eintrag leider erst jetzt, sehr verspätet, veröffentlichen kann. Das hat mir auch ein wenig die Lust verdorben, ständig zu schreiben, aber seid gewarnt: das kommt schon wieder ;D Im folgenden also ein Eintrag, den ich vor einer Woche geschrieben habe...

Nun gut, ich ergebe mich! Da ich mich der Anfragen, wann mein nächster Blogeintrag endlich kommt, kaum noch erwehren kann, bin ich Euch und mir wohl mal wieder einen Bericht schuldig. Und damit es nicht ganz staubtrocken wird, werde ich meinen heutigen Eintrag ein wenig mit verschiedenen Fotos würzen, so dass sich eine spannende Mischung, sozusagen ein tolles Masala. ergibt. Alright? Let's go...

Meine letzten Wochen waren mit Arbeit vollgestopft. Meine echt coole Chefin ist gerade für zwei Wochen in ärztlicher Behandlung und hat mir für diese Zeit ihren Job als Projektleiter übertragen. Das ist zwar eine Menge Arbeit, aber auch eine Möglichkeit mich für die Zeit nach diesem Projekt zu empfehlen und natürlich eine spannende Erfahrung. Und: natürlich bin Ich natürlich stolz wie Bolle über diese temporäre Beförderung.

Klar, ich arbeite nicht nur, etwas Freizeit bleibt mir schon, aber die ist schnell um. Wenn ich Abends nach hause komme, spiele ich mit ein paar netten Indern aus dem Hotel Tischtennis oder ziehe ein paar Bahnen im Pool. Ich habe mich an den Alltag hier schon gewöhnt und was für mich mittlerweile am Interessantesten ist, ist der Kontakt zu Menschen. So verbringe ich recht viel Zeit damit in der Hotellobby zu sitzen und mich mit Nitesh, einem unheimlich sympathischen Delhier zu unterhalten, oder in meinem Hotelzimmer, um mit Mridul, meinem Zimmerkollegen, über Gott und die Welt zu diskutieren. Ich will nicht meine ganze Freizeit nur mit den anderen Praktikanten verbringen, weil ich tierisch neugierig auf die Kultur hier und die Meinungen und Ansichten der Inder hier bin. Und letztendlich ist es auch die Nähe zu und das Verständnis für Leute wie Nitesh oder Mridul, die mir hier erst so richtig das Gefühl geben, nicht falsch am Platz zu sein.

Auf diesem Weg tauche ich nun richtig in dieses Land ein und finde immer mehr Wertschätzung, Respekt und teilweise sogar Bewunderung für diese Kultur. Was am Anfang am schwersten zu akzeptieren war, ist, dass die Menschen hier in solch einer schmutzigen und heruntergekommenen Umgebung leben. Die erste logische Schlussfolgerung war: es kümmert niemanden und diese Einschätzung führte bei mir teilweise zu einem Gefühl der Überlegenheit. In der Schule lernen wir über Industriestaaten, Entwicklungs- und Schwellenländer und da liegt es nahe, diese Unterscheidung wie ein Siegerpodest zu sehen auf dem wir, die wohlhabenden Europäer, ganz oben stehen. Klar, wenn es um Sauberkeit und Zugang zu Luxusgütern geht, ist das so, aber es sagt keineswegs etwas über die Menschen selber aus.

Wenn man sich draussen auf den Strassen bewegt, dann sieht man Schmutz und Chaos, wenn man aber eine Wohnung oder ein Haus betritt, dann sieht man die andere Seite. Natürlich gibt es hier mehr Probleme mit Ungeziefer und die Häuser haben Risse in den Mauern, aber der Mikrokosmos ist nicht anders als unserer: sauber, geschmückt und angenehm, auf seine indische Art. Das Hauptproblem scheint das System aussen drumherum, ein Staat, der nicht hinterherkommt, sein Volk mit intakten Strassen, sauberem Wasser und einer vertrauenswürdigen Justiz zu versorgen und vor allem, der dem Bevölkerungswachstum nicht Herr wird. Bei der Nutzung von Strassen, müssen die Verkehrswege ständig neu gelegt werden und wenn eine neue Strasse fertig gebaut ist, muss die nächste schon wieder erneuert werden. Wenn ein neues Kraftwerk gebaut ist, ist auch dieses schon ausgelastet. Wenn 1000 neue Brunnen gebaut sind, ist die Wasserknappheit immer noch da.

Man kann dieses Land einfach nicht in den gleichen Relationen wie Deutschland sehen. Es ist zu gross und die gesamte wirtschaftliche und kulturelle Situation ist völlig anders. Alles befindet sich hier im Aufbruch, es herrscht eine Stimmung des Vorankommens und Erfolgs, des Umbruchs und der Hoffnung. Man sieht Fortschritt in der Gleichstellung zwischen Mann und Frau und zwischen Kasten, neue Gesetze, um die Korruption zu bekämpfen und Umweltschutziniativen. Es ist nicht annähernd so, dass die Situation hier so ist, weil alle es in Ordnung finden. An allen Ecken und Enden wird fieberhaft gearbeitet und verbessert. Wenn wir, mit unseren Ansprüchen, in dieses Land gesetzt würden, würden wir es vermutlich nicht besser machen. Die Dinge, die man als Ausländer hier kritisieren mag, sind alle in Arbeit und unter diesen Umständen fällt es mir nicht schwer den Stolz der Inder auf ihr eigenes Land zu verstehen.

Wenn ich an mich in Deutschland denke, dann habe ich das Gefühl, den Lebenstandard bei meiner Geburt sozusagen umsonst geschenkt bekommen zu haben. Hier sind alle im Begriff ihr Leben und das ihrer Kinder täglich zu verbessern und das ist ein völlig anderes Lebensgefühl. Um dieses Gefühl des gemeinsamen Vorankommens kann man die Menschen hier wirklich beneiden. In Deutschland haben viele, viele Menschen Angst, dass es bergab geht und wenige haben das Gefühl, selbst etwas dagegen unternehmen zu können. Vielleicht brauchen wir in Deutschland mehr Visionen, was wir verbessern können, anstatt nur darüber nachzudenken, was wir erhalten müssen. Es ist besser das Vorankommen zu sehen als sich vor dem Abstieg zu fürchten. Aber was brauchen wir noch? Nun, wenn ich die Menschen hier erlebe, dann fallen mir zum Beispiel Themen ein wie die Integration von Minderheiten. Da scheinen mir die Inder fortschrittlicher zu sein. Oder etwa ein freundlicherer Umgang miteinander. Wenn ich an Deutschland denke, dann möchte ich als Ausländer nicht dort wohnen und hier habe ich bisher nie das Gefühl gehabt, dass mir irgendjemand etwas Böses wollte.

Aber nun mal eine Pause von der schwerwiegenden Themen und ein Ausflug in die lustigen Anekdoten des Alltags. Da saß ich also kürzlich bei der Arbeit in einem Teammeeting und wir unterhielten uns eine geschlagene Stunde. Die Leute wurden des Zuhörens immer müder und solange wurde allen klar, dass es Zeit wird aufzuhören. Schliesslich kam der Punkt, an dem man gemeinsam die Sitzung mit ein paar netten Schlussworten beendete und die Chefin so etwas sagte wie "Ich denke, wir sind mit unserer Agenda am Ende" und einer vielleicht noch hinzufügte "Ja, super, dann hol ich mir mal nen Kaffee" und dann alle irgendwie beipflichteten. Dann kehrte Ruhe ein und ein Gefühl der Entspannung und in genau jenem schönen Moment, in dem man realisiert, dass man seine Aufmerksamkeit nun wieder anderen Dingen widmen kann, genau in diesem Moment entfuhr einem meiner Kollegen ein herzhafter Rülpser, inmitten der gerade eingekehrten Stille, und die Selbstverständlichkeit und die erleichterte Befriedigung, die aus seinem Gesicht sprachen zwangen mich zum Lachen, einem Lachen, dass ich mir der Höflichkeit halber zu verkneifen versuchte, was mir aber nicht gelang, so dass ich ungewollt derart ins Lachen verfiel, dass mir die Tränen kamen. Zuguterletzt lachten wir alle gemeinsam ganz herzlich, obwohl, glaube ich, nur die Hälfte von uns die Ursache verstanden hatte. Lachen ist eben ansteckend und Rülpsen nicht ganz so verpönt wie in Deutschland.

Ich sitze übrigens gerade im Hotelzimmer, es ist nachmittags und ich bin nicht bei der Arbeit. Warum? Tja ja, auch ich bin nicht unkaputtbar und irgendwann musste ich mir ja mal ne Krankheit hier einhandeln. Ehrlich gesagt hatte ich sogar von der ersten Woche an eine, nämlich eine Entzündung in der Achselhöhle, die ich die ganze Zeit über trotz aller möglichen Versuche nicht los wurde. Also ging ich letzte Woche zum Arzt und der sagte mir, dass es eine Pilzinfektion sei und verschrieb mir 4 verschiedene Pillen. Die haben zwar endlich die Infektion besiegt, aber mittlerweile auch alle nützlichen Darmbazillen, so dass ich jetzt mit Magen-Darm-Problemen eine Auszeit von der Arbeit nehmen muss. Da ich die Medikamente jetzt noch nicht absetzen kann, nehme ich nun zusätzlich noch dosierte Bazillen zu mir, so dass meine Verdauung sich wieder normalisiert. Klingt jetzt eklig, ist aber zum Glück nicht so sehr, denn ausser leichten Bauchschmerzen und ständigen Klobesuchen, geht es noch einigermassen, also keine Übelkeit. Gott sei Dank, denn Übelkeit kann ich gar nicht ab. Na ja, jetzt hoffe ich, dass die Chemieüberflutung es nicht schon wieder schlimmer macht. Kurz gesagt: die schlimmsten Beschwerden haben mir hier bisher die Medikamente eingehandelt. Ironie des Lebens.

Apropos Krankheit. Es ist schon toll, wie sich hier alle um mich kümmern. Alle meine Kollegen und die AIESECer wollen mir ihre Hausweisheiten aufaschwatzen und mittlerweile habe ich schon eine gute Menge interessanter doch teilweise widersprüchlicher Empfehlungen und Tipps. Das geht von "Trink ganz viel Milch", über "Tröpfel Limettensaft in Milch, und trinke dann die klare Flüssigkeit der Milch, die sich dadurch absetzt" bis zu "Trinke bloss keine Milch". Und dann habe ich noch eine Kollegin, die zertifizierte Prana-Heilerin ist, eine für uns Mitteleuropäer leicht esoterisch anmutende Heilkunst (Pranayana), die auch die Existenz von Auren annimmt und viel mit dem Zusammenspiel von Auren und Energien zu tun hat. Na ja, so ganz vertraue ich dem noch nicht (vor allem, weil fast alle meine Lieblingsnahrungsmittel laut dieser Heilkunst sogenannte negative Energieträger sind, die man nur sparsam zu sich nehmen sollte, sowas wie Milch, Fleisch, Vollkorn), aber ich versuche mir immer Stück für Stück etwas mehr erzählen zu lassen. Vielleicht werde ich ja, wenn ich in Deutschland zurück bin, Eure Auren auf Vordermann bringen. Wer weiß? Erstmal muss ich jetzt aber meine eigene wieder hinkriegen.

Falls hier noch keine Bilder zu sehen sind, dann liegt das an der schlechten Verbindung. Meine Bilder stapeln sich hier schon und ich hoffe, dass ich Euch bald an ihnen teilhaben lassen kann.