11 September 2006

Und wie flexibel sind Sie?

Ha! Endlich habe ich meine letzte Prüfung im Studium hinter mir! Eine Woche lästiges Lernen, Tage vor dem Computer, ohne Sonne, unter Zeitdruck Stunde um Stunde Skript auswendig lernen und die Freundin auch noch weg für ne Woche... endlich vorbei! Mit nem guten Gefühl und dem Wissen, dass Nina gleich wieder in Berlin ankommt, ab nach hause und auf dem Weg noch die warme Herbstsonne genießen... perfekt!

Doch die freudige Entspannung hält nicht lange, denn zuhause in meinem Mailfach liegt eine Bombe, in Form einer Mail selbstverständlich, sonst würde ich ja jetzt nicht mehr schreiben. Da steht also: hier ist Ihr Praktikumsvertrag! Geil!!! Endlich, ich dachte schon das verzögert sich noch länger. Nach wochenlangem Zähen Kontaktieren der richtigen Personen und langer Ungewissheit nun endlich Sicherheit. Super. Dann ein zweiter Blick in den Vertrag... Anfangsdatum: 1. Oktober. Schockschwere Not! Was?! In 3 Wochen schon?! Na das wird lustig.

In leichter geistiger Abwesenheit schlepp ich mich zum Supermarkt und realisiere, dass ich keine Wahl habe. Das ist das Praktikum das ich wollte, das ist der Termin, das bedeutet: der Countdown läuft, aber etwas kürzer als erwartet! Nach all den Verzögerungen hatte ich schon mit Ende Oktober oder Anfang November gerechnet und jetzt das! Einerseits freut es mich, dass es konkret ist, dass ich ein Datum habe, andererseits kommt das flaue Gefühl auf: jetzt stehen erstmal 3 Wochen Stress vor Dir und gleich im Anschluss eine lange Zeit Kulturschock, kurz gesagt: Ruhe Ade! Und... wie erklär ich das meiner Freundin? Du Baby, übrigens ich muss schon in drei Wochen weg (übersetzt in emotionale Sprache = ich muss morgen weg, nein, ich bin schon quasi weg). Na super! Ach ja, und was war sonst noch so Alles zu tun? Arbeit, Visum, Wohnung, Bank, Reisepass, etc. ... na was soll's... in drei Wochen hab ich's hinter mir, Stress ade, der emotionale Panzer beginnt langsam zu wirken.

Ach ja, wo geht's eigentlich hin? Na ja, so ganz genau kann ich das noch nicht sagen, aber fangen wir mal mit den Fakten an: das Zielland heißt Indien, der erste Anlaufpunkt Mumbai (ehem. Bombay), mein Arbeitgeber Tata (Consultancy Services, kurz TCS) . Es fängt an mit 2 Wochen "Introduction", ich bin auf alles gefasst. Dann folgen 5-6 Wochen "Training" im Schulungszenter der Firma im süden Indiens mit anderen Newies aus aller Welt gemeinsam. Daran anschließend werde ich einem Projekt zugeordnet in einer der Zentralen der Firma in Indien, also wahrscheinlich in Mumbai, Bangalore oder Chennai (ehem. Madras). Alles ist offen, ich lass mich also überraschen.

Das ist wohl auch die einzige Maxime in Indien: lass Dich überraschen! Das steht in jedem Reiseführer und auch in dem klugen Tipps & Tricks Heftchen, was ich von meiner Kontaktperson in Indien bekommen habe: "Alles ist anders" oder "Am besten man erwartet nichts, es ist sowieso anders"... na gut, dann halt nicht, macht doch mit mir, was Ihr wollt! Ich glaube wenn ich die 3 Wochen Organisation und herzschmerzenden Abschied hier hinter mir habe, dann erschreckt mich sowieso nichts mehr, dann bin ich für ein leckeres Mattar Paneer an einer überfüllten, verstaubten Straße mit mind. 10 Menschen die mich unentwegt anglotzen sehr, sehr dankbar.

Leute, es geht los, das Abenteuer beginnt... ich bin gerüstet, geschmückt mit Nervösität, aufgeweckt durch Stress, gespannt bis zum Anschlag. Komme was wolle, ich geh da durch... und werde Euch weiter berichten ;D

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