06 Januar 2007

Neustart unter Palmen

Der Kalender zeigt den 6. Januar 2007 und es ist langsam Zeit Euch allen endlich zu sagen:

HAPPY NEW YEEEEEEEEEAAAAAAAR!!!

Anstatt laenglicher, foermlicher Standardgruesse wuensche ich Euch allen einfach genau das, was Ihr Euch fuer das neue Jahr wuenscht. Und ich will an dieser Stelle noch einen nachtraeglichen Toast auf das letzte Jahr aussprechen, ein aus meiner Sicht unheimlich abwechslungsreiches, spannendes und wichtiges Jahr. Stellt Euch vor: ich habe meine Diplomarbeit fertig, alle Kurse hinter mir, das Studium ist vorbei. Die lange, zaehe Arbeit hat sich nicht nur gelohnt und sondern hat sogar richtig Spass gemacht und das vor allem Dank einem Haufen toller Kommilitonen und Kollegen. Aber was kommt nach dem Studium? Der zweite Meilenstein nach dem Abschluss des Studiums war wohl meine Entscheidung fuer ein Jahr fuer ein Praktikum nach Indien zu gehen. "Warum denn gleich Indien?", "Bist Du sicher, Robert?" fragten mich viele Leute mit nicht allzu grossem Verstaendnis fuer solch eine exotische Wahl, aber bis jetzt bereue ich sie kein bisschen. Toi Toi Toi. Und dann noch etwas ganz Persoenliches: nach einem herzschmerzerfuellten Jahr 2005 ist mein groesster Wunsch 2006 in Erfuellung gegangen, als Nina und ich endlich wieder zueinander gefunden haben... besser geht's einfach nicht! Und schliesslich noch ein paar Dankesworte an die Kollegen von der Gebit, bei denen ich gelernt habe, was professionelles Arbeiten bedeutet, und an AIESEC Berlin, ohne die mein Praktikum hier nicht moeglich gewesen waere. Und an all meine Freunde und Familie: zaehlte ich Alles auf, wofuer ich Euch danke und worueber ich mich freue, kaeme ich in diesem Blogeintrag nicht mehr dazu noch ein paar Berichte unterzubringen. Ich freue mich darauf Euch alle dieses Jahr noch wieder zu sehen...



Goa

So, Zeit fuer neue Berichte, Zeit fuer Goa, dem Ort in Indien, den viele wohl mit Palmen, Techno, Drogen und Hippies assoziieren. Nun ja, nach 5 Tagen und 4 Naechten (29. Dezember - 2. Januar) dort kann ich nun das Klischeebild ein wenig korrigieren, dennoch: die Assoziation vieler Inder ist nicht ganz anders. In Goa sind Alkoholsteuern sehr niedrig und nachdem in den 80ern und 90ern auslaendische Touristen das Bild Goas gepraegt haben, haftet der Region etwas Verruchtes an: nackte Brueste, Drogenopfer und am meisten freut sich der Goanische Polizist, der die hoechsten Schmiergelder im Land kassieren darf. Etwas von dem Hippieflair ist sogar noch da: bunte Klamotten und Schlaghosen gibt es an jeder Ecke, mit all den typischen Symbolen "Oom", "Peace" und Che Guevara Bildern. Zwischendrin ein paar Shops, die Trance-CDs verkaufen und an jeder zweiten Ecke ein Dealer, der einen leise anfluestert: "Ecstasy, Marihuana, Cocaine?". Trotz alledem ist Goa eindeutig indisch, eine Art Indien light, weniger ueberlaufen, weniger schmutzig und man kann sogar im Meer schwimmen. "Man", das sind uebrigens die Auslaender, denn zu meiner Ueberraschung musste ich feststellen, dass die meisten Inder scheinbar nie schwimmen gelernt haben und wenn mal jemand versucht ganz sportlich durch die Wellen zu kraulen, erinnert es beiweilen an ein Planschbecken. So teilt sich das Wasser nahe dem Strand in die "Inderzone" und die "Auslaenderzone" auf, sozusagen Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich. Die Frauen baden uebrigens im T-Shirt und so sind Auslaenderinnen im knappen Bikini natuerlich ein unwiderstehlicher Blickfang fuer die indischen Maenner. Effekt des ganzen war, dass die Frauen, mit denen ich unterwegs war, meistens nicht ohne einen der Maenner aus unserer Gruppe ins Wasser wollten, aus Angst angetatscht zu werden. Aus Gespraechen in diesem Urlaub wurde mir immer klarer, dass das Leben als Frau hier etwas anstrengender sein kann als fuer einen Mann. Sexuelle Belaestigung ist leider an der Tagesordnung.



Ihr braucht nicht zu suchen, ich bin nicht auf dem Bild, dafuer Palmen und eine Menge netter Leute ;D

Aber zurueck zu Goa. Wir waren so 30-40 Leute, alles Praktikanten, vielleicht 20 aus Mumbai und die anderen aus anderen Staedten im Land. Eine 14-stuendige Busfahrt brachte uns nach Anjuna, einer ehemaligen Hippiehochburg im Norden Goas, die gluecklicherweise nicht mit haesslichen Betonbloecken, wie man sie vom Mittelmeer kennt, optisch zerstoert wurde. Wir schliefen alle auf dem Dach eines Gasthauses, auf duennen Matrazen, aneinandergereit wie die Sardinen, und im morgen weckte uns das Kreischen der Huehner auf. Den fehlenden Schlaf holten wir uns dann am Strand zurueck, meistens in einer der Strandbars abhaengend.



Unsere Dachterasse



Und: Kuehe laufen hier sogar am Strand herum oder fressen Touristen frei liegende Sandwiches weg ;D



Und sogar unser Partyqueen Yuki findet Entspannung...

Waerend mir vor meiner Abreise noch gross vom tollen Goanischen Essen, genauergesagt tollen Meeresfruechten vorgeschwaermt wurde, musste ich allerdings leider feststellen, dass die Preise denen in Mumbai in nichts nachstanden und so ass ich dann doch nicht gerade taeglich Garnelen, sondern meistens Fischgerichte mit relativ wenig Fisch, den das Fleisch ist hier das teuerste. Das absolute Highlight war ein Fisch-Thali in einer Einheimischen-Gaststaette, dessen Fischfleischgehalt sich auf etwa einen Essloeffel beschraenkte, was mich und mehrere andere Praktikanten in verzweifeltes Lachen ausbrechen liess. Das folgende Foto dokumentiert die kaergliche Fischportion.



Abends sassen wir am Strand, irgendjemand spielte immer Gitarre (mind. 4 Leute hatten es gut genug drauf) und alle tranken, lachten und quatschten was das Zeug hielt. Die ganz besonders Harten, machten sich gegen 3 noch die naechste Disko auf, waehrend ich dann doch meist lieber schwankend den Heimweg auf mich nahm. Die einzige richtige Party im Sinne eines Clubbesuchs war dann auch das absolute Highlight der Reise: unsere Sylvesterparty. Irgendwie konnten wieder ein paar meiner Mitreisenden ein paar Clubbesitzer ueberzeugen uns partyfreudigen Exoten Sonderpreise einzuraeumen und so kamen wir schliesslich zu einem Sechstel des Einheimischenpreises in einen der gehobenen Open-Air-Clubs, Essen und Trinken all-inclusive. Und ich sage Euch: die Musik war super, die Stimmung toll und um Mitternacht lagen sich alle durchgeschwitzt und freudentaumelnd in den Armen. Ich habe selten so gut gefeiert... irgendwann um 6 schlief ich dann ein... als die Sonne aufging... um 3 Stunden spaeter wieder zum Strand zu ziehen.



Uebrigens: das einzige kleine Detail, dass ich ein wenig bereue, wenn ich an den Urlaub denke ist, dass ich ausser unserem kleinen Ort, mit seinem wirklich coolen Strand, nur einen anderen Ort wirklich besichtigt habe: Old Goa, eine Kleinstadt die bekannt fuer ihre 2 Kirchen ist. Die Kirchen waren allerdings fuer einen Mitteleuropaer, der jahrhundertealte Kathedralen zu sehen gewoehnt ist, ziemlich unpspektulaer und so war das beste am dem Ausflug die einstuendige Busfahrt durch Goanische Doerfer und das befriedigende Gefuehl, wenigsten einen Kulturausflug gemacht zu haben.




Ein paar Gruppenbilder zum Abschluss...

Tja ja, und jetzt bin ich wieder hier, im alten, staubigen, vergasten Mumbai und irgendwie finde ich das sogar richtig gut... wieder zuhause zu sein. Bei der Arbeit beginnt jetzt auch endlich mal wieder etwas Neues und so sehe ich mit vielen neuen Sommerprossen, akutem Schlafmangel und viel Vorfreude auf ein weiteres tolles Jahr den naechsten 12 Monaten und vielen neuen Erfahrungen in Indien entgegen.

Alles Liebe fuer Euch alle. Ach ja, und wer mich besuchen will: frueh genug bescheid geben ;D

Namaste, meine Freunde

1 Kommentar:

Ania hat gesagt…

Ich sehe, dass Goa Expedition war sehr unheimlich! Oh Ahmedabad is langweilig :(

Bitte, vergebe mein Deutsch ;)