30 April 2007

Hochzeitssaison

Ich Glücklicher hatte nun gleich an zwei aufeinander folgenden Wochenenden die Gelegenheit Hochzeiten beizuwohnen und passenderweise waren es diesmal eine rein christliche und eine rein hinduistische Hochzeit. So kann ich als Fremder gleich mal den Versuch eines Vergleichs wagen. Eines gleich vorweg: wer denkt, die hinduistische Hochzeit war eine durch die Familien arrangierte und die christliche das was man hier Liebeshochzeit nennt liegt vollkommen falsch, denn es war genau andersherum. Was aber keineswegs bedeutet, dass das christliche Pärchen unglücklicher wirkte, was das vorurteilsbehaftete Westler vielleicht kritisch vermuten könnte.

Übrigens spannend: hier in Indien habe ich das Christentum noch einmal von einer ganz anderen, sehr viel gläubigeren Seite erlebt, was wohl am besten durch den folgenden Satz verdeutlicht wird: "Ich vertraue Jesus, dass er den Richtigen Mann für mich findet". Das sagte letztens eine Kollegin von mir, deren Eltern gerade auf Bräutigamssuche waren. Mittlerweile ist der Mann gefunden und sie entsprechend aufgeregt und nervös. Wie auch immer die Wahl entstanden ist, ich wünsche ihr, dass sie auch in vielen Jahren noch diesen Glauben in Jesus behält und nicht enttäuscht wird.

Aber nun zurück zu den Hochzeiten: in Sachen Prunk gaben sich beiden jedenfalls nichts. Höchstens ein Detail konnte ich feststellen: die hinduistische Hochzeit war insgesamt knalliger in den Farben. Ein Vergleich der Bühnen:

Oben das (christliche) Brautpaar auf dem Weg zur Bühnenmitte gefolgt von zwei kleinen Brautjungfern und bereits gierig von den Fotografen erwartet, unten das bei wahrscheinlich bei jeder indischen Hochzeit typische Anstehen fürs gemeinsame Foto auf der doch etwas grelleren Bühne. Ich find übrigens beides etwas zu viel, aber dem Anlass entsprechend schön.

Wenn ich übrigens mal heirate, dann will ich nicht so lange auf der Bühne stehen und mir die Füße platt stehen. Lieber ein riesiges Gruppenfoto und dann gemeinsam feiern. Gefeiert wurde übrigens bei der Hinduhochzeit mit mehr Elan: zwei Stunden vor dem Eintreffen am Ort der Feierlichkeiten, der eigentlich nur zum Fotoschlangestehen und Büffetessen da ist, machte sich ein Gruppe von etwa hundert Leuten, mit dem Bräutigam auf einer protzigen Pferdekutsche thronend, auf den Weg, begleitet von einem Orchester, allesamt wild tanzend. Der Umzug bahnt sich dabei einfach den Weg durch den Verkehrsstau und alle müssen Platz machen. Zwischen jedem Stück Musik, welches das Orchester spielt bewegt man sich ein paar wenige Meter voran und obwohl der Veranstaltungsort von Anfang an in Sichtweite ist, lässt man sich schön viel Zeit, bevor man ankommt. Nebenbei gibt es kräftiges Feuerwerk (so extrem laut wie ich schon zuvor einmal berichtet habe). Und das Interessante ist: es geht hier nicht nur um Spass, sondern es gibt auch eine Symbolik hinter dem Ganzen. Da nämlich die Braut mit der Hochzeit quasi in den Haushalt der Familie des Bräutigams übertritt wird die Hochzeit als Raubzug inszeniert, bei dem der Bräutigam, von seinen Freunden und Familie begleitet, die Familie der Braut heimsucht, um ihr die geliebte Tochter zu entreissen. Das Feuerwerk und die laute Trommelmusik sollen im Vorhinein schon mal zu verstehen geben: Achtung, wir kommen. Und bis zur Ankunft sitzt der Bräutigam auch mit einer äußerst strengen und erhabenen Miene auf seiner Kutsche. Bevor er die Kutsche verlässt, treffen sich die Familien und tanzen noch mal was das Zeug hält miteinander, wobei die jungen Männer in wilder Ekstase die Sau raus lassen. Wenn der Bräutigam dann die Kutsche verlässt, bildet sich eine Strasse von Menschen vor ihm, die er durchqueren muss, was ihm allerdings schwer gemacht wird. Schliesslich darf er dann aufs Festgelände und alle können sich sattessen und letzteres übrigens ohne Fleisch oder Eier und ohne begleitenden Alkohol. Hier sind ein paar Fotos von dem Ganzen:


So, und als kleinen lustigen Abschluss gibt es jetzt noch zwei coole Bilder aus dem Land des Nichts-ist-Unmöglichen... Ich hoffe möglichst viele von Euch verstehen, was hier so lustig ist: das erste ist ein Wahlplakat und das zweite eine Randnotiz auf der Speisekarte eines Restaurants... Lachen ist gesund.

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