27 Mai 2007

Welcome to Paradise

Natürlich ist das Flugzeug aus Kalkutta verspätet und Nina und ich kommen erst um 21 Uhr in Mumbai an. Der Rückweg aus Sikkim bestand wieder aus zwei Flügen: Bagdogra nach Kalkutta und dann Kalkutta nach Mumbai und wie alle Inlandsflüge während unseres Urlaubs waren diese auch wieder unpünktlich. Zum Glück aber hat dies scheinbar so viel Routine, dass man sich darauf verlassen kann, dass auch der Anschlussflug spät ist, man ihn also nicht verpassen wird. Und immerhin: es scheint sich um programmatisch etwa 40-60 Minuten, nicht mehr und nicht weniger, Verspätung zu handeln. Also was soll's.

Na ja, leider führte die späte Ankunft dazu, dass wir keine Zeit mehr hatten nach Downtown zu fahren und die paar interessanten Gebäude dort anzuschauen, aber zum Glück verpasst man damit nicht allzu viel. Downtown ist sowieso nicht das wahre Mumbai und so entschlossen wir uns nicht so weit weg zu und nach Juhu zu fahren, um dort lecker dinieren zu gehen. In Mumbai kann man sich manchmal Dinge leisten, die zuhause in Deutschland nicht möglich sind, und so spazierten wir wenige Minuten später durch die Palast-ähnliche Eingangshalle des JW Marriot Hotels und in eines seiner Spitzenrestaurants, wo wir in stylischster Umgebung ein wunderbares Teppan Yaki Menü genossen. Irgendwie realisierten wir nicht, welche Konsequenzen auf uns zukämen als wir die Frage des Koches, ob wir gerne Knoblauch am Essen hätten, freudig bejahten und so endeten wir am Ende glücklich betrunken, delikat vollgestopft und jeder von uns mit mindestens einer ganzen Knolle Knoblauch im Bauch.

Danach hatten wir ganze zwei Stunden Schlaf um uns mitten in der Nacht zum Flughafen zu bewegen, wo wir dann plötzlich bemerkten, was es wirklich heisst, nach Knoblauch zu riechen. Ich werde das jetzt nicht noch weiter detaillieren, auf jeden Fall war das Essen super und wir am Flughafen dermassen müde, dass uns unsere Fahnen auch nicht weiter störten.

Ich hatte Nina übrigens bis zu diesem Abend in Mumbai nie erzählt, wo die Weiterreise hingehen würde, nur dass es sich um kleine Inseln und tolle Strände handeln würde. Auf der Reise in Sikkim berichteten uns viele Leute begeistert von den Andamanen und so vermutete Nina schon genau das, aber obwohl ich anfangs wirklich genau das geplant hatte, war es anders gekommen. Ich dachte damals, wenn man schon auf einem Archipel vieler, kleiner Atolls ist, dann will man ja auch etwas mehr als nur eine winzige Insel sehen und folglich sei es das Beste auf einem Boot die Inseln abzuklappern. Da nun aber in Indien die Tourismusbranche erstaunlicherweise noch in den Kinderschuhen steckt und solche Inselkreuzfahrten nicht angeboten werden, suchte ich nach einer Alternativlösung in der Nähe Indiens und fand sie schliesslich: etwas teurer, dafür aber mit einem weltweit bekannten Ruf traumhafter Inseln: die Malediven.

Wir standen da also total übermüdet mitten in der Nacht am blöden Flughafen, natürlich deutsch-pünktlich 2 Stunden vor Abflug, wie von den Fluglinien gefordert, und doch als die ersten. Also hielt ich Wache aufs Gepäck, während Nina an meiner Schulter schlummerte und ich aufs Boarding wartete (das natürlich auch wieder verspätet war, Überraschung, Überraschung!). Und schliesslich flogen wir dann nach Bangalore, stiegen dort um und flogen dann nach Male auf den Malediven, wo wir um etwa 13 Uhr (eine Stunde verspätet ankamen).

Schon der Anflug war spektakulär: die Sicht aufs Archipel mit den vielen kleinen Atollen, die von oben ein wenig wie Spiegeleier aussehen, war wunderschön. Die meisten Atolle liegen knapp 3-8 Meter unter der Wasseroeberfläche und so sieht man von oben die türkisblauen Kreise unter Wasser. Ich wusste, dass mich so etwas erwarten würde, aber als ich es dann wirklich sah, war ich so aufgeregt und glücklich wie ein kleines Kind, das sein Geschenk in die Hand gedrückt bekommt. Und schliesslich die Landung auf der einen langgezogenen Insel Hulule, die genau neben Male liegt: für mehr als eine Landebahn ist dort kein Platz und beim Anflug auf die Landebahn gleitet man erstmal mehrere hundert Meter auf zehn Meter Höhe über dem Atoll entlang. Ich dachte mir nicht: "Oje, gleich landen wir im Wasser!", sondern "Geil, jetzt das Fenster auf und reinspringen. Ich will in dieses Wasser!".

Als wir aus dem Flugzeug stiegen, empfing uns eine warme, feuchte Luft wie in Mumbai, aber frisch nach sauberem Meer riechend und ohne die befremdlichen Gerüche, die einem in Mumbai manchmal in die Nase steigen. Alles war sauberer und modern und in diesem Moment dachte ich mir schon "Hier bin ich richtig". Schliesslich wurden wir von einem Vertreter des Reisebüros, über das ich die Reise gebucht hatte, abgeholt und an unseren Bootsmanager übergeben, der auch kurz danach zur Stelle war. Da Nina ihre Sonnenbrille in Sikkim verloren hatte, machten wir noch einen kleinen Ausflug nach Male (der Flughafen liegt wie bereits erwähnt auf der Nachbarinsel Hulule und von Nachbarinsel zu Nachbarinsel reist man mit der Fähre). Auf dem Weg sahen wir allerlei Fische unter Wasser und im Hafenbecken war das Wasser schon wieder von der gleichen türkisblauen, einladenden Farbe, die wir schon aus dem Flugzeug gesehen hatten.

Male selbst ist nicht besonders sehenswürdig. Die Kulisse der Stadt fand ich jedoch beeindruckend: diese eine kleine Insel scheint bis zum Rand mit Häusern zugebaut zu sein und angeblich gibt es hier die höchste Bevölkerungsdichte der ganzen Welt: 80.000 Einwohner auf ein paar wenigen Quadratkilometern. Allerdings vermute ich, dass damit "die Stadt mit der höchsten Einwohnerdichte" gemeint ist, denn wenn man hier in Mumbai das gröchste Slum der Welt mit über einer Million Einwohner mal von aussen gesehen hat, kann man sich kaum vorstellen, dass es noch dichter geht und dichter sah Male auch nicht aus, zum Glück für dessen Einwohner. Auf jeden Fall ist Male nicht sehr spektakulär, obschon es natürlich einfach mal interessant ist zu sehen, wie eine Stadt auf den Malediven aussieht, denn es ist die einzige wirkliche Stadt auf den Malediven. In 40 Minuten zu Fuss hat man alles Erwähnenswerte gesehen und das war's dann. Es ist sauberer und moderner als Indien und das einzig wirklich Interessante war die Tatsache, dass man das Gefühl hatte, in dieser Stadt gäbe es keine Frauen. Die waren wohl alle zuhause. Ach ja, interessant fanden wir auch, dass es dort staatlich angeordnet nur Halbtagsarbeit gibt und nach 14 Uhr alle größeren Geschäfte und Behörden zu machen. Ein Land in dem es nur Halbtagsarbeit gibt! Fast unglaublich, oder? Grausam für die Kunden, aber toll für die Angestellten.

Nach unserem kleinen Ausflug ging es dann mit dem Dhoni, dem Begleitboot des Schiffes auf dem wir die nächste Woche verbringen würden, los zum Schiff, der Baani Explorer, die ich bisher nur auf Bildern im Internet gesehen hatte, und natürlich war ich tierisch gespannt, wie sie in Wirklichkeit aussehen würde. Der erste Eindruck war dann auch gleich gut. Eine schnittige, aber nicht protzige Yacht erwartete uns dort und passenderweise auch schon gleich ein Mittagessen im gemütlichen Wohnzimmer, was uns gut passte, da wir schon recht hungrig waren.

Nina und ich waren als letzte an diesem Tag am Flughafen angekommen und alle anderen Gäste waren während unserer Ankunft auf dem Boot bereits draussen zum ersten Tauchgang unterwegs, um alle gemeinsam herauszufinden, wie viel Erfahrung jeder einzelne mit sich bringt. Das wird dann Checkdive genannt. Da wir ja noch nie getaucht waren, hat man nicht auf uns gewartet und so waren wir mit der Crew erstmal noch für eine halbe Stunde alleine auf Bord.

Der erste Eindruck von der Crew war etwas anders als erwartet. Es waren nur Männer, alle recht jung und sehr lässig. Der erste Eindruck also: maledivische Beach Boys. Die Jungs wirkten so cool, dass ich mich schon fragte, ob sie die richtigen für ein schwimmendes Hotel sind, aber jegliche Bedenken lösten sich schnell auf, denn der Service war echt super und alle waren richtig nett und lustig.

Jetzt waren wir gespannt, wie es um unsere Mitreisenden stünde. Erster Eindruck: alle nett, nur waren wir eindeutig die Nesthäkchen in der Guppe. Eigentlich nicht überraschend, denn es war ja auch eine Tauchsafari und Tauchen ist ein teures Hobby, was sich eigentlich nur Berufstätige leisten können. Der Altersunterschied war aber gar kein Problem und insgesamt war die gesamte Gruppe ein echt netter Haufen ohne Miesepeter oder Schnösel. Übrigens waren wir zwei Drittel Deutsche, was dazu führte, dass wir fast die ganze Zeit Deutsch sprachen.

Das Schiff und zwei weitere werden von Gundi, einer Österreicherin, gemanagt und die war lustigerweise auch genau in dieser Woche mit auf dem Boot, beruflich zwar, aber offensichtlich auch recht entspannt und halb Urlaub geniessend. Durch Gundi kommen natürlich jede Menge deutschsprachige Leute auf das Boot und durch Mundpropaganda verfestigt sich so eine Art Stammkundschaft, die bestimmt ständig wächst. Kein Wunder, denn die ganze Reise auf dem Boot war einfach fabelhaft und unbedingt weiter zu empfehlen.

Neben Gundi wird jedes einzelne Schiff noch mal von einem ständig anwesenden Bootsmanager geleitet und der war auch unser Tauchlehrer: Hussen, ein echt netter und cooler Typ, mit dem wir eine Menge Spass hatten. Ach ja, Hussen klingt arabisch, oder? Genau. Das liegt daran, dass die Malediven eine islamische Republik sind und eigentlich 100% Moslems beherbergen. Etwas schade ist, dass die Regierung eine recht strikte Trennung zwischen Einheimischen und Touris durchgesetzt hat, die dazu führt, dass es praktisch zwei getrennte Welten dort gibt: die rein ausländischen Touristenresorts und die Einheimischeninseln. Alkohol ist eigentlich illegal, aber für die Touris verfügbar. Auf den Resorts können Frauen im Bikini rumlaufen, auf den Einheimischeninseln würde das leicht als Affront aufgefasst. Schon verrückt.

Jetzt aber zurück zum Boot: unsere Kabine war eine der beiden Suiten, auf dem Oberdeck gelegen, geräumiger als die Kabinen im Unterdeck, in urigem Holz und Bambus gehalten und sehr gemütlich und schön, mit einer Fensterfront aufs Meer hinaus. Schon toll! Sogar mit eigenem Badezimmer, sauber und mit Warmwasser. So kann man hausen, sag ich Euch. Die Kabine wurde zweimal am Tag gemacht und es gab regelmässig frische Handtücher. Unser Bettlaken wurde jedes mal in einer neuen, niedlichen Form aufs Bett gefaltet, mal als Fisch, Stern oder Halbsonne. Kreativ. Ausserdem: zwei Meter aus der Tür heraus erwarten einen die Sonnenliegen, auf denen wir nachmittags auch gerne rumgelümmelt und gelesen haben.

Am nächsten Tag ging es dann mit unserem Tauchkurs los. Nur Hussen, Nina und ich. Exklusiv. Sehr cool. Also ging es los zu einer kleinen einsamen Lagune, in der wir ins hüfthohe, glasklare Wasser sprangen und erstmal die Gerätschaften ausprobieren konnten, um dann an der Lagunenkante auf drei Meter Tiefe schon die ersten Fischschwärme zu bewundern. Ein komisches Gefühl unter Wasser einfach so atmen zu können. Faszinierend! Gleichzeitig ist es aber anfangs auch gewöhnungsbedürftig, wenn man das Salzwasser in Nase oder Augen bekommt, was die ersten male noch brennt und irritiert. Das lässt aber schnell nach und auch das Atmen geht ganz natürlich. Meine grösste Sorge, der Druck auf den Ohren beim Tauchen in die Tiefe, stellte sich auch schnell als unberechtigt heraus, denn wenn man regelmässig die Luft aus der Nase und den Lungen in die Ohren drückt, kann man eigentlich so tief wie man will tauchen, ohne Schmerzen zu bekommen.

Voller Vorfreude auf den nächsten Tauchgang kamen wir dann wieder aus Boot zurück und konnten es kaum erwarten, so bald wie möglich weiter zu machen. Allerdings haben wir auch die ersten 4 Tage recht viele Stunden damit verbracht theoretische Lehrmaterialien zum Tauchkurs durchzulesen. Natürlich hätten wir lieber was anderes gemacht, aber die Theorie war leicht und so war es nicht allzu lästig. Tauchen erfordert nicht viel Können, sondern vor allem Wissen und Erfahrung. Ohne das Wissen kann man sich leicht in gefährliche Situationen bringen und ohne die Erfahrung kann man in ungewohnten Situationen leichter panisch werden, was eigentlich das Schlimmste ist, was einem passieren kann. Tauchen ist nicht sehr sportlich, sondern eher gemütlich und meditativ. Anstatt viel rumzuschwimmen, schwebt man meistens eher im Wasser und beobachtet die Unterwasserwelt. Es geht nicht um Leistung, sondern das Erleben der Welt da unten und die ist einfach wunderbar.

Nach drei anfänglichen Tauchgängen ohne die Gruppe, konnten wir beim vierten mal dann endlich mit an ein Riff, an dem es mehr zu sehen gab und siehe da: sofort durften wir unseren ersten, doch recht fetten Grauhai bewundern, der vor uns seine Runden zog. Sah aus wie 2 Meter, aber Unterwasser sieht alles größer aus, als war er vermutlich nur so 1,60 Meter gross. Trotzdem cool. Keineswegs angsteinflössend, sondern beeindruckend. Bei einer Runde ums Miniriffchen begegneten wir noch einem Schwarm Jungbarracudas, einem Opa-Barracuda und einer irren Vielfalt bunter Fische, wie z.B. dem Clownfisch (=Nemo), der übrigens wirklich in den Seeanemonen immer vorwärts raus und rückwärts wieder reinschwimmt (wie in Nemo eben). Lustig sind auch die Doktorfische, die aus irgendeinem Grund riesiges Interesse an Luftblasen haben und gerne in Schwärmen über unseren Köpfen schwammen und sich die Bäucher von den Blasen kraulen liessen.

Die nächsten Tauchgänge bescherten uns Muränen, Rochen, Schildkröten, Anglerfische, Thunfische aller Art, noch mehr, aber eher kleine Haie, Wahoos, Tintenfische, und so weiter und sofort. Am besten fand ich die Schildkröten. Die sind einfach niedlich und bewegen sich trotz ihrer behäbigen Form unglaublich grazil. Lustig waren auch die Avancen eines Tintenfischmännchens, dass sich relativ dreist an ein Weibchen ranmachte und es dabei vetrieb. Der eine Tauchguide der zu diesem Zeitpunkt dabei war, erwähnte noch den ganzen Abend wie tragisch es sei, dass wir den Akt verpasst hätten. Diese Tintenfische sind schon bizarre Wesen, aber wie sie da so rumtentakelten waren sie irgendwie rührend. Ach ja, das Tauchen war einfach super und ich überlege schon wann und wie ich das nächste mal wieder sowas machen kann.

Neben dem Tauchen genossen wir die schönsten Aussichten auf unbewohnte Inselchen mit weissem Sand und Palmen und auf türkisblaue Lagunen. Das Essen, was der Koch zauberte, war echt lecker und der Barkeeper hatte es auch gut drauf. Am letzten Abend wurden wir zu waschechten Tauchern getauft und uns wurden hammerharte Long Island Ice Teas in die Schnorchel gegossen, nicht im Wasser versteht sich. Danach hatten wir gut einen in der Krone und namen noch ein paar mehr Drinks auf dem Sonnendeck unter dem endlosen Sternenhimmel. Ich will zurück!

Bestimmt habe ich jetzt viele Dinge noch nicht erwähnt, aber man muss das einfach erlebt haben, um zu verstehen, wie schön das Tauchen und die Malediven sind. Wir waren hin und weg. Leute, wenn das traumhaft klingt, solltet Ihr Euch das beiweilen auch mal geben. Ist zwar echt teuer, aber wow: es ist einfach so wie auf den Fotos im Reiseprospekt. Ich habe nur Angst, dass es süchtig macht ;D

Egal, ich bin jetzt noch glücklich, wenn ich daran zurückdenke und damit werde ich Euch die nächsten Jahre noch in den Ohren hängen. Zuguterletzt wollte ich noch einmal sagen, dass es auch mit Nina einfach nur cool war. Schon beim Wandern war ich beeindruckt, dass sie nicht einmal maulte, wo ich schon manchmal nah am Aufgeben war, und beim Tauchen, das einem ja auch mal Angst einjagen kann, war sie voller Begeisterung dabei. Es macht einfach Spass mit einer so starken Partnerin Abenteuer zu erleben. Nach so langer Zeit, die wir uns nicht gesehen hatten, war es einfach richtig schön, mal wieder im Team durchs Leben zu gehen und die Zeit miteinander ohne Probleme und Sorgen zu geniessen. Ausserdem sah sie geil aus =))) Hehe.

So und jetzt lass ich Euch noch ein kleines bisschen warten bis dann die Bilder folgen, eine Menge, und auch wenn sie nicht Alles einfangen können, vermitteln sie wenigstens einen Bruchteil der Schönheit, die Nina und ich auf den Malediven erleben durften. Also: stay tuned und freut Euch auf einen Haufen netter Pics.

Cheers, Euer Robert

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