Meine Route zur Shopping Mall habe ich dann so gelegt, dass ich an den "dhobi gats", den öffentlichen Wäschereien vorbeikomme. Dort waschen hunderte von Menschen täglich Wäsche in kleinen Wasserbassins unter offenem Himmel und zwischen den die Bassins umgebenden Hütten hängen unzählige Wäscheleinen. Schon beeindruckend. Auf den ersten Blick sieht es wie ein Slum aus.

Ab den Wäschereien bin ich dann fast den gesamten restlichen Tag nur von einem Ort zum anderen gelaufen, um die Stadt einfach mal aus der Sicht der Leute zu erleben, die sich kein Taxi leisten können. Auf dem Weg zur Shopping Mall lagen mal wieder Verschläge, Hütten kann man es nicht nennen, direkt am Rande eines edlen Golfplatzes, natürlich durch eine Mauer getrennt. Solche Kontraste hat man hier überall. Zum Glück braucht man aber auch scheinbar echt keine Sorgen zu haben, zu Fuss durch die sehr armen Ecken Mumbais zu spazieren.
Die Shopping Mall selbst war erbärmlich. Erstens war sie nicht groß, vielleicht ein Drittel so groß wie eine normale Berliner Mall, zweitens waren 2 Drittel aller Geschäfte geschlossen und drittens waren alle geöffneten Geschäfte Edelmarkenläden. Etwas enttäuscht entschied ich mich nicht aufzugeben und die Shoppingtour zu einer Sightseeingroute umzubauen, die mich dennoch an Shops vorbeiführen sollte. Mittlerweile klebte natürlich mein Hemd schon wieder wie ein nasser Lappen an meinem Körper, aber das stört mich schon nicht mehr. Es geht allen so und Schweissflecken stören hier niemanden.
Schliesslich fand ich einen kleinen, schicken Modeladen, in dem ich mir einen weißen Anzug gönnte. Genauergesagt habe ich den Anzug noch nicht mitnehmen können, weil er tatsächlich erst massgeschneidert wird, aber das fand ich gerade gut. Auf meine Frage nach passenden Hemden hin, wurden mir dort keine Hemden, sondern ein großes Lager edler Stoffballen gezeigt. Auch die Hemden werden massgeschneidert. Nur zur Orientierung: der Laden war schon ein richtiger Upper-Class-Laden und ein massgeschneidertes Hemd kostet umgerechnet 20 Euro, mit Schnitt, Stoff und Knöpfen nach eigener Wahl. Einfache weiße Hemden beim Strassenhändler kosten um die 3 Euro. Anzüge gibt es ab 50 Euro, meiner kostet dann schon 150. Aber so ein geiles Teil hab ich noch nie besessen. Ich hoffe, dass der finale schnitt dann auch so gut ist, wie ich hoffe.
Glücklich verliess ich den Modeladen und ging auf dem Weg zum großen Strand Mumbais erstmal Mittagessen. In einem durchschnittlichen Restaurant, wie dem in dem ich auch war, zahlt man nicht mehr als 2 Euro für ein Essen. Wenn man an einer Bude an der Strasse ist, kostet ein ganzes Essen mit Getränken unter einem Euro, ist aber hygienisch bedenklich. Ein Essen besteht immer aus einer Sättigungsbeilage wie Chatpati (Brotpuffer), Reis oder Reisklössen und einem meist sehr flüssigen Gericht. Das einfachste Gericht heißt Dal und ist eine Art Erbsenbrei. Bisher habe ich hier nur vegetarisch gegessen, weil es billiger ist, trotzdem super schmeckt und auch noch gesund dazu. Apropos: ich habe hier bisher noch nie gekocht. Morgens gibt es Frühstück im Hotel, mittags gehe ich in irgendein Restaurant und abends esse ich meist auch im Hotel, was nicht teurer als ein Restaurant ist und auch super Essen zubereitet. Zu scharf ist das Essen eigentlich nie, es ist sogar milder als ich gedacht hatte. Schlimm war nur mein vorgestriges Frühstück im Hotel, als ich in einer Art Linsensuppe ein rundes, rotes Etwas mit großen Interesse in den Mund nahm und herzhaft draufbiss. Wie sich herausstellte handelte es sich um Sambal pur. Ja, genau das, woraus die scharfe rote Paste beim Chinesen gemacht wird. Das verschlug mir ganz schön den Atem, aber immerhin war ich danach wach.
Dann ging es weiter zum Strand Mumbais, der Chowpatty Beach, die an einer runden Bucht liegt, an derem anderen Ende die Hochhäuser vom Nariman Point liegen. Nachts bilden die Lichter der Häuser am Ufer den schönen Anblick eines glitzernden Halbkreises, weshalb die Bucht auch Necklace, Halskette, genannt wird. Am Strand bestand ein kleiner Bettlerjunge darauf, dass ich wenigstens ein Foto von ihm mache. Das Ergebnis ist ein wirklich schönes Foto, das hier hoffentlich zu sehen ist.

Bis zum Abend verschlug ich mir noch ein wenig die Zeit mit Shoppen und die anderen Praktis im Büro volllabern, um dann mit ihnen die Happy Hour einer westlichen Bar zu nutzen, wo es für jeden Pitcher Bier einen zweiten umsonst dazu gibt. Das war mein erstes mal Alkohol hier in Indien und ich war tierisch schnell angetrunken, aber ein frisches, kühles Bier ist echt toll bei der Affenhitze hier. Übrigens war es nur eine Männerrunde, bestehend aus 2 Rumäniern, 2 Holländern, 2 Deutschen und einem Italiener.

Gegen 22 Uhr entschieden wir uns weiter in den Norden der Stadt und in einen Club zu fahren. Ja, richtig gehört. Hier geht es in den Clubs schon ab 21 Uhr richtig los, weil um 1 Uhr Schluss ist.
Das Erbe des Commonwealth. Den Club bezeichnete Nino, mein italienischer Zimmerkumpane, dann aber als "den traurigsten Ort", der er je erlebt habe, denn: ein indisches Lokal benötigt für jede Kleinigkeit eine behördliche Zulassung, auch fürs Tanzen. Und: der Club in dem wir waren hatte keine Tanzlizenz. Sprich: laute, groovige, übrigens westliche, 90er-Jahre-Musik, Drinks, aber keiner darf mehr als mit dem Kopf wippen. Nino war dann so ärgerlich, dass man es ihm richtig ansah, während ich und die anderen es mit Unverständnis, aber auch mit Humor aufnahmen und den Ordner mit etwas zu starken Körperbewegungen immer wieder reizten. Schliesslich wurde es dann doch langweilig und wir setzten uns alle in unsere Rikshas nach hause. Ein tolles Gefühl nach einem langen Tag in einem offenen Fahrzeug wie dem Riksha den frischen Fahrtwind zu geniessen und sich auf eine Dusche und sein Bett zu freuen... ein cooler Tag.
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